Wie funktioniert Gesellschaft? Wie passt man sich an? Wie verändert Gesellschaft einen? Diese Fragen thematisiert Franz Kafkas „Ein Bericht für eine Akademie“, in dem ein Affe von seinem Werdegang zum Menschen berichtet. Neu inszeniert wurde die bekannte Erzählung nun vom Schauspiel Frankfurt. Als sogenanntes Klassenzimmerstück fanden an der Albert-Schweitzer-Schule am 16. und 20. April 2018 zwei Aufführungen unter dem Motto „Theater in absoluter Unmittelbarkeit“ für die drei von Herrn Dr. Biccari unterrichteten Kurse des Darstellenden Spiels der E-Phase, statt.

Foto: Dr. Biccari

Nachdem die Menschen den Affen Rotpeter aus seinem Lebensraum gerissen und gefangen genommen haben, sieht er nur einen einzigen Ausweg: Er muss sich anpassen, er muss Mensch werden. In fünf Lektionen eignet er sich das menschliche Sein an: Erstens: der Handschlag. Zweitens: das Spucken und Rauchen. Drittens: das Alkoholtrinken. Viertens: die Sprache. Fünftens: das Tanzen.

Im Varieté muss er schließlich vor Publikum auftreten. Auch sein „Bericht für die Akademie“ ist eine einzige Inszenierung, in der er mit den Zuschauern spielt. Schon zu Beginn wird dies deutlich. Zum „Banana Boat Song“ verspeist er drei Bananen, die er nacheinander aus unterschiedlichen Taschen hervorzieht, jede auf ihre eigene Weise. Dass hier ein für den Zuschauer noch nie entdecktes Wesen im Klassenraum sitzt, ist klar erkennbar. In den folgenden fünfundvierzig Minuten werden die Schüler auf eine satirische Reise gegenüber Bildungsprozessen mitgenommen an deren Ende die Durchschnittsbildung eines Europäers steht.  

Foto: Dr. Biccari

Das Theaterstück ist geprägt von den unterschiedlichen Welten, denen der Affe Rotpeter angehört. Einen starken Kontrast bilden hierbei Gestik, Mimik und Sprache. Rotpeter spricht förmlich, beinahe hört es sich an, als hätte er seinen Text auswendig gelernt. Gleichzeitig springt er umher, setzt sich bei den Schülern auf den Schoß, klettert auf Tische und gibt tierische Laute von sich – kurzum, einfach äffisch. Hier spiegelt sich am stärksten der Konflikt wieder, der dem Publikum durch das gesamte Stück hindurch vor Augen geführt wird. Entwurzelt ist Rotpeter längst kein Affe mehr, aber trotzdem lange noch kein Mensch. Zu einer eigenartigen Mischform ist er geworden, zu einem Außenseiter.

Im Anschluss an das Theaterstück folgte eine Reflexion mit dem Theaterpädagogen des Schauspiel Frankfurt Philipp Boos, der Darstellerin Lisa Eder und Herrn Dr. Biccari in der Klasse. Nicht nur über die Entstehung eines Stücks, auch über den Werdegang einer Schauspielerin wurde dabei gesprochen.