{"id":622,"date":"2024-05-22T16:28:11","date_gmt":"2024-05-22T14:28:11","guid":{"rendered":"https:\/\/schuelerzeitung-ass.de\/?p=622"},"modified":"2024-05-22T16:28:11","modified_gmt":"2024-05-22T14:28:11","slug":"einer-fuer-alle-interview-mit-offenbachs-oberbuergermeister-dr-felix-schwenke","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schuelerzeitung-ass.de\/?p=622","title":{"rendered":"Einer f\u00fcr alle \u2013 Interview mit Offenbachs Oberb\u00fcrgermeister Dr. Felix Schwenke"},"content":{"rendered":"\n<p>von Marlon Kranz, Maria Radovi\u0107; Foto von Stadt Offenbach\/Thomas Lemnitzer<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Guten Tag Herr Schwenke. Wir freuen uns sehr, dass wir heute mit Ihnen dieses Interview f\u00fchren d\u00fcrfen. Kommen wir zur ersten Frage. Herr Dr. Schwenke, Ihre Wiederwahl zum Offenbacher Oberb\u00fcrgermeister erfreute viele B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger. Hatten Sie damit gerechnet und wie f\u00fchlen Sie sich seit Ihrer Wiederwahl?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Gehofft habe ich es nat\u00fcrlich, sonst w\u00e4re ich ja nicht angetreten. Man ist nicht nur Politiker in der Funktion, sondern selbst auch Mensch. Deswegen habe ich mich \u00fcber das sehr klare Ergebnis nat\u00fcrlich gefreut.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was fasziniert Sie am Beruf des Oberb\u00fcrgermeisters, dass Sie sich nach Ihrer ersten Amtszeit sogar zur Wiederwahl gestellt haben?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich w\u00fcrde das gerne von zwei Seiten beantworten. Einerseits ist es so, dass viele von au\u00dfen die M\u00f6glichkeiten eines Oberb\u00fcrgermeisters tendenziell ein St\u00fcck weit \u00fcbersch\u00e4tzen. Man ist kein K\u00f6nig. Und das ist auch gut so. Ich bin zwar der Vorsitzende des Magistrats und nach au\u00dfen der sichtbarste Repr\u00e4sentant dieser Stadt und nat\u00fcrlich kann ich auch manche Dinge alleine entscheiden. Dennoch gibt es sehr viele Themen, die ich nur mit den Magistratskollegen zusammen entscheiden kann. Man muss wissen: Die hessische Gemeindeordnung ist extra so aufgebaut, dass die wichtigsten Fragen von der Stadtverordnetenversammlung entschieden werden. Es kommen \u00f6fter Leute zu mir und sagen: \u201eHerr Schwenke, Sie m\u00fcssen sofort dies und das \u2026\u201c. Meistens muss ich dann antworten, dass es mir leidtut und ich schauen kann, was m\u00f6glich ist. Aber ich kann das nicht einfach alleine l\u00f6sen. Das ist auch gut, weil die Idee dahinter ist, dass es eine demokratische wechselseitige Kontrolle gibt. Mir war klar, dass die Macht des Oberb\u00fcrgermeisters Grenzen hat, weshalb es mich nicht st\u00f6rt. Es ist zwar anstrengend, doch am Ende ist es so, dass man f\u00fcr die Stadt und die Menschen etwas Gutes tut. Das fasziniert mich an dem Beruf und das hat mich auch dazu gebracht, mich zur Wiederwahl zu stellen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Warum wollten Sie Ihr Amt genau in Offenbach aus\u00fcben?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Es hat f\u00fcr mich etwas mit Emotionen zu tun und ich k\u00f6nnte nicht in einer anderen Stadt Oberb\u00fcrgermeister sein. Ich bin hier aufgewachsen, meine Familie ist hier, ich bin Kickers-Fan und hier zur Schule gegangen. Ich f\u00fchle mich mit allem ein St\u00fcck weit verbunden. Die Stadt ist mir nicht egal und wenn ich etwas St\u00f6rendes sehe, will ich es \u00e4ndern, damit es wieder sch\u00f6ner ist. Das ist mir f\u00fcr Offenbach wichtig!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>War es schon immer ein Kindheitstraum von Ihnen, in die Politik zu gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich konnte es mir vorstellen, jedoch war es nicht mein einziger Traum. Ich wollte auch Polizist werden oder vielleicht sp\u00e4ter einmal eine Eisdiele er\u00f6ffnen. Schlie\u00dflich bin ich Lehrer geworden. W\u00e4hrend meiner Schulzeit dachte ich mir eher, dass ich einmal Bundestagsabgeordneter werde. Hier vor Ort sieht man aber viel besser, was man bewirkt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sie waren auch einmal Sch\u00fcler an der Albert-Schweitzer-Schule und sogar Schulsprecher. Welche Erinnerungen haben Sie an Ihre Schulzeit und hat Sie diese Zeit in irgendeiner Form gepr\u00e4gt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Zeit hat mich auf jeden Fall gepr\u00e4gt. Ich bin neun Jahre auf diese Schule gegangen und habe \u00fcberwiegend gute Erinnerungen an die Schulzeit, weil ich mit den meisten Lehrerinnen und Lehrern Gl\u00fcck hatte und weil wir daran gew\u00f6hnt waren, dass die Schule alt war. Es gab aber nat\u00fcrlich auch schwierige Dinge: Es gab zu unserer Zeit zum Beispiel harte Auseinandersetzungen wegen der Arbeitszeit der Lehrerinnen und Lehrer in Hessen. Unsere Kursfahrt in der Oberstufe fiel dadurch aus. Das zeigt wieder einmal, wie wichtig eine Sch\u00fclervertretung, also SV, ist, um f\u00fcr gewisse Dinge zu k\u00e4mpfen. Eine weitere, eher humorvolle Erinnerung habe ich an die Geb\u00e4ude und R\u00e4ume auf dem Pausenhof, welche schon damals \u201eBruchbuden\u201c waren. Sogar meine Eltern hatten dort schon Unterricht. Sp\u00e4ter hat mich so etwas als Stadtverordneter dazu angetrieben, mich f\u00fcr Schulen und deren Sanierung einzusetzen. Heute stehen an dieser Stelle neue Geb\u00e4ude. Au\u00dferdem erinnere ich mich noch an Volker Heim, der mich unterrichtet hat. Die Volker-Heim-Halle tr\u00e4gt verdient seinen Namen!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was konnten Sie in Ihrer Zeit als Schulsprecher an der ASS ver\u00e4ndern?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Diese Frage hat mir tats\u00e4chlich noch nie jemand gestellt. Dinge, die ich nicht in Ordnung fand, motivierten mich, etwas zu tun und deswegen wurde ich schon fr\u00fch Klassensprecher und auch Schulsprecher. Zum Beispiel gab es zu meiner Zeit noch keine Mensa und keine Cafeteria, weshalb wir uns \u00fcber unsere gesamte Schulzeit hinweg daf\u00fcr einsetzten, endlich eine richtige Cafeteria zu bekommen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Inwiefern haben Sie als Oberb\u00fcrgermeister Einfluss auf Schulen und Bildung in der Stadt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Auf die Lehrerinnen und Lehrer gar nicht und auch nicht auf die Unterrichtsinhalte oder auf die Anzahl der Lehrkr\u00e4fte. Ich habe auch keinen Einfluss auf die Klassengr\u00f6\u00dfen oder auf die Unterrichtsf\u00e4cher generell. Daf\u00fcr ist das Land Hessen zust\u00e4ndig. Worauf wir gro\u00dfen Einfluss haben ist der bauliche Zustand der Schulen. Wir haben in 2006 einen Plan zum Renovieren der Schulen erstellt und ziehen das bis heute durch. Das letzte Wort dabei hat die Stadtverordnetenversammlung. Ich setze mich aber als Oberb\u00fcrgermeister sehr daf\u00fcr ein, mache einen hohen symbolischen Druck auf das Thema. Wir haben letztes Jahr so viel Geld f\u00fcr Bildung ausgegeben wie noch nie in der Geschichte der Stadt zuvor. Au\u00dferdem haben wir seit dem Beschluss in 2006 fast jedes Jahr das meiste Geld an Bauma\u00dfnahmen f\u00fcr Schulen ausgegeben. Ich denke, mehr geht immer, aber wir tun das Beste und k\u00f6nnen auch nicht zaubern.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>In Ihrer Arbeit erfahren Sie bestimmt auch viel Kritik, davon wird nicht jede konstruktiv sein. Wie gehen Sie damit um?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Solche Kritik bekommt man insbesondere im Internet, diese jemandem ins Gesicht zu sagen, trauen sich die Leute dann doch nicht. Ich versuche trotzdem herauszuh\u00f6ren, wo m\u00f6glicherweise ein berechtigter Anteil ist, und ich versuche zu verstehen, worin konkret das Problem besteht. Es wird n\u00e4mlich h\u00e4ufig sehr pauschal gemeckert und da kann ich nichts tun. Und wenn man Kritik nicht konkret formuliert, kann das keiner aufgreifen. Wenn ich verstehe, worum es geht, versuche ich es zu ver\u00e4ndern, wenn ich es kann. Man ist aber auch als Politiker nicht nur in der Funktion, sondern auch Mensch. Und da muss man einen Weg finden, dass man das nicht so sehr an sich heranl\u00e4sst. Es ist eine schwierige Balance, denn: Wenn man gegen Kritik abstumpft, hebt man irgendwann ab. Und das will ich auf gar keinen Fall! Ich will den Kontakt zu den Menschen behalten. Aber wenn man zul\u00e4sst, dass einem pauschale Kritiker die Freude am Beruf verderben, dann geht man dabei kaputt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie schalten Sie ab und woraus sch\u00f6pfen Sie Kraft?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe gro\u00dfes Gl\u00fcck, dass ich eine tolle Frau und drei tolle Kinder habe. Wann immer ich sie sehe, hat es etwas mit Abschalten zu tun, weil die Kinder den Fokus auf sich ziehen. Die Familie ist das Wichtigste \u00fcberhaupt. Wenn ich es dann einmal schaffe, ein Kickers-Spiel zu besuchen und sie gewinnen, ist das auch eine gute Ablenkung.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Inwiefern sind Sie mit der aktuellen Situation der Stadt zufrieden und was haben Sie sich f\u00fcr die Zukunft vorgenommen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Insgesamt ist es ein gro\u00dfes Problem, dass die Stadt Offenbach nicht genug Geld f\u00fcr alles hat. Daf\u00fcr habe ich auch ein gutes Beispiel, um zu zeigen, was \u201earme Stadt\u201c eigentlich hei\u00dft. Wenn man \u00fcber die vergangenen Jahre schaut, dann gilt im Mittel in etwa: Wenn Kassel 1,- Euro Gewerbesteuereinnahmen hat, hat Offenbach ca. 65 Cent. Wenn Wiesbaden 1,- Euro Gewerbesteuereinnahmen hat, hat Offenbach ca. 55 Cent. Wenn Darmstadt 1,- Euro hat, hat Offenbach ca. 45 Cent. Und wenn Frankfurt 1,- Euro hat, hat Offenbach ca. 20 Cent. Wenn man sagt, dass man mehr Busse braucht, weil sie zu voll sind, kostet das sehr viel Geld. Ebenso wenn ich an die bauliche Situation der Schulen denke, kostet es auch sehr viel Geld. Geld ist sehr wichtig, weshalb ich mich auch sehr um das Thema Wirtschaftsf\u00f6rderung k\u00fcmmere. Damit bin ich also unzufrieden. Mit dem Zustand der Innenstadt bin ich ebenfalls nicht sehr zufrieden. Wir wollen dabei noch viel verbessern. Eine Sache, die in den kommenden Jahre besser werden soll, \u00a0ist die Stadtbibliothek, welche wir um das Vierfache vergr\u00f6\u00dfern wollen. Somit w\u00fcrden wir wieder einmal viel Geld f\u00fcr Bildung ausgeben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Herr Dr. Schwenke, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit f\u00fcr uns und das Interview genommen haben! Wir w\u00fcnschen Ihnen f\u00fcr Ihre zweite Amtszeit alles Gute. <\/strong><strong><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Marlon Kranz, Maria Radovi\u0107; Foto von Stadt Offenbach\/Thomas Lemnitzer Guten Tag Herr Schwenke. 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