{"id":636,"date":"2024-06-19T16:17:17","date_gmt":"2024-06-19T14:17:17","guid":{"rendered":"https:\/\/schuelerzeitung-ass.de\/?p=636"},"modified":"2024-06-19T16:17:17","modified_gmt":"2024-06-19T14:17:17","slug":"durch-dick-und-duenn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schuelerzeitung-ass.de\/?p=636","title":{"rendered":"Durch dick und d\u00fcnn"},"content":{"rendered":"\n<p>von Marla Wachtel; Foto von Pixabay<\/p>\n\n\n\n<p>Ein M\u00e4dchen namens Emmie ging in die 7. Klasse, als sie eine schockierende Nachricht erhielt. Krebs. Sie hatte Angst und wusste nicht, was sie machen sollte, doch Lina, ihre beste Freundin, tr\u00f6stete sie. Emmie war in der Schule eine Person, die von jedem gemocht wurde, weshalb sie auch viele Freunde hatte. Dachte sie zumindest. Denn als ihre Krebsdiagnose kam und Emmie monatelang im Krankenhaus bleiben musste, \u00e4nderte sich das schlagartig.<\/p>\n\n\n\n<p>Es fing alles eines Morgens damit an, dass Lina wie \u00fcblich vorbeikam, um zu sehen, wie es Emmie ging. Dabei erz\u00e4hlte sie Emmie wie immer alles, was in der Schule passierte. Heute ging es um die neue Englischlehrerin, welche seit den Sommerferien in der Klasse unterrichtet. Emmie war froh, dass sie so eine gute Freundin wie Lina hatte, durch sie hatte sie das Gef\u00fchl, nichts zu verpassen.<\/p>\n\n\n\n<p>An diesem Morgen hatte aber auch Emmie Lina etwas zu erz\u00e4hlen: \u201eAnna und Max kommen heute zu Besuch und ich freue mich so, die beiden endlich wieder zu sehen.\u201c Lina machte auf einmal ein trauriges Gesicht und erz\u00e4hlte Emmie, wie die beiden hinter ihrem R\u00fccken schlecht \u00fcber sie geredet hatten. Sie erz\u00e4hlte, wie die beiden meinten, dass Emmie eh keinen Krebs habe und nur Aufmerksamkeit haben wolle. Emmie war sichtlich entt\u00e4uscht dar\u00fcber, versuchte sich aber nichts anmerken zulassen. In diesem Moment verstand sie, dass diese Freunde eigentlich nicht ihre Freunde waren, doch sie war nicht traurig dar\u00fcber, sondern froh, dass sie erkannt hatte, mit welchen Leuten sie gerne etwas zu tun hatte und mit welchen nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Emmie redete mit Lina dar\u00fcber. Doch sie verstand es erst gar nicht, da sie sich noch nie Gedanken dar\u00fcber gemacht hatte, welche ihrer Freundschaften von Bedeutung waren und welche nicht. Da hatte Emmie eine Idee. Die beiden nannten es <em>Freundschaften sortieren<\/em>. Sie spielten es jeden Tag und es funktionierte ganz einfach: Sie suchten sich eine Freundschaft aus und schrieben erst auf ein Blatt, was ihnen diese Freundschaft bedeutet, dann, ob ihnen die Freundschaft wichtig ist und als Letztes, ob es sich lohnt, f\u00fcr diese Freundschaft zu k\u00e4mpfen. Sechs Monate lang blieb Emmie im Krankenhaus. In dieser Zeit bekam sie immer von denselben Leuten Besuch. Jeden Tag sagte sie: \u201eMir ist so langweilig, ich bin buchst\u00e4blich am Krankenhausbett festgewachsen.\u201c Sie bekam von ihren \u00c4rzten die Erlaubnis, im Rollstuhl durch die G\u00e4nge zu fahren.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf einem Gang kam ihr ein Junge, ebenfalls im Rollstuhl, entgegen. Die beiden unterhielten sich und es stellte sich heraus, dass er Noah hie\u00df und auch in die 7. Klasse ging. Er hatte einen b\u00f6sartigen Hirntumor und war seit drei Wochen im Krankenhaus und hasste es mindestens genauso sehr wie Emmie. Noah erz\u00e4hlte: \u201eDie Chemo macht mich ziemlich fertig. Ich habe immer schlechte Laune und mir ist so unfassbar \u00fcbel.\u201c Emmie kannte das nur zu gut, schlie\u00dflich hatte sie selbst das auch durchgemacht. Die beiden zogen sich in Emmies Zimmer zur\u00fcck, um sich besser unterhalten zu k\u00f6nnen. Emmie und Noah trafen sich in den darauffolgenden Wochen immer h\u00e4ufiger und wurden mit der Zeit gute Freunde. Auch Lina und Noah verstanden sich wirklich gut und sie waren ein unzertrennliches Trio. Sie gingen zusammen zu Untersuchungen und spielten auch <em>Freundschaften sortieren<\/em> gemeinsam.<\/p>\n\n\n\n<p>Noah hatte von Anfang an nicht so viel Gl\u00fcck, eine so gute Freundin oder Freund wie Lina zu haben. Er musste durch vieles alleine durch. Zwar hatte er seine Eltern, aber diese ersetzten nun mal keinen guten Freund.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei seinem letzten MRT kam heraus, dass der Tumor gewachsen war und er operiert werden musste. \u201eAuch das noch!\u2018\u2018, dachte sich Lina, denn Emmie hatte erst gestern wieder eine Chemo bekommen, welche ihr sehr zu schaffen machte.<\/p>\n\n\n\n<p>Noah war am Boden zerst\u00f6rt nach dieser Nachricht, da es vor wenigen Tagen noch hie\u00df, dass alles in Ordnung war. Unter Tr\u00e4nen erz\u00e4hlte er Lina und Emmie von der Nachricht. Trotz der komplizierten Umst\u00e4nde waren sowohl Emmie als auch Lina f\u00fcr ihren Freund da. Die beiden hatten Angst um ihn, da so eine Operation ein sehr hohes Risiko mit sich bringt.<\/p>\n\n\n\n<p>Noch am selben Tag wurde Noah operiert. Die Zeit verging so langsam wie noch nie. Zumindest kam das Emmie so vor. Sie wartete zusammen mit Lina darauf, dass die \u00c4rzte ihnen die erl\u00f6sende Nachricht \u00fcberbringen. Doch es kam nichts. Stunde f\u00fcr Stunde warteten sie und schlie\u00dflich schliefen sie ein. In Emmies Traum kamen die schrecklichsten Dinge vor. Von Hirnsch\u00e4digungen \u00fcber Krankheiten, die ihn so weit einschr\u00e4nkten, dass er eine 24h-Betreuung br\u00e4uchte. Auch in Linas Kopf kreisten die Gedanken ausschlie\u00dflich um Noah. Aber im Gegensatz zu Emmie konnte sie kaum schlafen. Sie wussten nicht, ob es ein gutes oder schlechtes Zeichen war, dass es so lange dauerte. Die Angst, dass doch etwas passiert sein k\u00f6nnte, war einfach zu gro\u00df, um sich auf etwas Anderes zu konzentrieren. Ihnen wurde bewusst, wie heimt\u00fcckisch diese Krankheit eigentlich ist. Wenn man im ersten Moment denkt, der Gesundheitszustand verbessert sich und dann so einen R\u00fcckschlag erleidet, muss man emotional sehr stark sein. Es beruhigte sie zu wissen, dass Noah um jeden Preis k\u00e4mpfen w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach 16 Stunden OP kamen die \u00c4rzte endlich zu Emmie und Lina. Sie erz\u00e4hlten den beiden, dass alles gut gegangen war und sie in etwa 30 Minuten zu Noah gehen k\u00f6nnten. Emmie fiel ein Stein vom Herzen und auch Lina war einfach \u00fcbergl\u00fccklich.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie machten sich sofort auf den Weg zu Noahs Zimmer, wo sie den restlichen Tag damit verbrachten zu \u00fcberlegen, was sie gemeinsam machen, wenn Noah und Emmie endlich aus dem Krankenhaus entlassen werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Zeit verging und Noah erholte sich von der OP, sodass er schon bald entlassen werden konnte. Auch Emmie ging es immer besser, die Chemo wirkte und schon bald war sie vorerst krebsfrei. Alle freuten sich, denn es schien, als k\u00f6nnten die drei schon bald all die Dinge machen, von denen sie im Krankenhaus getr\u00e4umt hatten.<\/p>\n\n\n\n<p>Mittlerweile waren zwei Monate vergangen, in denen Noah und Emmie zuhause waren. Langsam kehrte der normale Alltag wieder, sie gingen in die Schule und trafen sich am Nachmittag. Es war beinahe alles wie davor. Doch Emmie distanzierte sich von Leuten wie Max und Anna, vor allem, weil die beiden in der ersten Zeit, als Emmie wieder in der Schule war, so taten, als w\u00e4re nichts gewesen, aber auch weil sie gelernt hatte, dass solche Personen ihr nicht guttaten. \u00c4hnlich sah es bei Noah aus, jedoch hat er einem ehemaligen Freund noch eine Chance gegeben. Denn nachdem er <em>Freundschaften sortieren<\/em> mit dieser Freundschaft gespielt hatte, wusste er, dass es wichtig ist, f\u00fcr diese Freundschaft zu k\u00e4mpfen. Die drei trafen sich oft und sprachen am liebsten \u00fcber Freundschaft, da dieses Thema einfach nie langweilig wurde. So kam es, dass die drei sehr gute Freunde wurden und noch viel mehr miteinander erlebten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Marla Wachtel; Foto von Pixabay Ein M\u00e4dchen namens Emmie ging in die 7. Klasse, als sie eine schockierende Nachricht erhielt. Krebs. 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