{"id":639,"date":"2024-06-21T17:37:20","date_gmt":"2024-06-21T15:37:20","guid":{"rendered":"https:\/\/schuelerzeitung-ass.de\/?p=639"},"modified":"2024-12-11T19:48:33","modified_gmt":"2024-12-11T18:48:33","slug":"freundschaft-in-gefahr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schuelerzeitung-ass.de\/?p=639","title":{"rendered":"Freundschaft in Gefahr"},"content":{"rendered":"\n<p>von Liam B\u00e4r; Foto KI-generiert mithilfe von Playground AI<\/p>\n\n\n\n<p>Der Wind peitschte und es regnete in Str\u00f6men. Blitze zuckten vor dem H\u00f6hleneingang \u00fcber den pechschwarzen Himmel und ein Ger\u00f6ll aus Donner erschlug sich \u00fcber mir. \u201eJetzt hat er mich doch im Stich gelassen\u201c, dachte ich mir verzweifelt. Nach so vielen Jahren, in denen wir alles zusammen erlebt hatten, hatte er mich nun doch hier zur\u00fcckgelassen. W\u00e4hrend ich hoffnungslos versuchte, mich aus meiner misslichen Lage zu befreien, st\u00fcrzte immer mehr Wasser in die H\u00f6hle hinein, in der wir zuvor Schutz gesucht hatten. Es lief mir die Zeit davon. Ich hatte nur noch wenige Minuten, bis das Wasser meinen Kopf erreichen w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenige Stunden zuvor hatte ich mich mit meinem besten Freund Lukas verabredet, um uns an unserem geheimen Baumhaus zu treffen, das in der N\u00e4he des Waldes stand. Dort schmiedeten wir einen Plan f\u00fcr den heutigen Ferientag. Zuvor hatten wir auf dem bewaldeten Berg ein altes, nicht mehr benutztes F\u00f6rsterhaus entdeckt. Heute war der Tag gekommen, an dem wir es endlich erkunden wollten.<\/p>\n\n\n\n<p>Als wir auf dem Pfad losliefen, schien die Sonne hoch am Himmel und es war keine einzige Wolke zu sehen. Neben uns ragten dunkle Tannen in die H\u00f6he und unten gab es viel Gestr\u00fcpp, das uns an manchen Stellen sogar teilweise den Weg versperrte. Je weiter wir den Berg hochmarschierten, desto weniger war der Pfad befestigt und gepflegt. \u201eTom, meinst du, dass diese Holzbr\u00fccke hier sicher ist?\u201c, fragte mich Lukas, als wir an einer Schlucht innehielten, die von einer schmalen und uralt aussehenden Holzbr\u00fccke \u00fcberspannt wurde. \u201eIch gehe vor, dann kannst du nachkommen\u201c, erwiderte ich und wagte den ersten Schritt. Die Holzbr\u00fccke hielt gl\u00fccklicherweise stand. Nachdem wir sie \u00fcberquert hatten, setzten wir unsere Wanderung fort, denn wir waren ein eingespieltes Team und konnten uns gegenseitig gut helfen. Gegen Mittag beschlossen wir eine Pause zu machen, da das st\u00e4ndige Wandern ziemlich erm\u00fcdend war. Wir setzten uns auf einen gro\u00dfen Stein und a\u00dfen unseren mitgenommenen Proviant. Erst jetzt fiel uns auf, dass sich der Himmel langsam zugezogen hatte und es nach Regen aussah.<\/p>\n\n\n\n<p>Deshalb rasteten wir nur kurz und setzten unsere Wanderung bald fort, doch der Himmel verdunkelte sich immer bedrohlicher. \u201eKomm, wir suchen uns einen Unterstand\u201c, bat ich Lukas, da ich panische Angst vor Gewittern hatte. \u201eGewitter in den Bergen sind gef\u00e4hrlich, da will ich nicht hier herumlaufen!\u201c, f\u00fcgte ich hastig hinzu. Jetzt wurde Lukas wieder bewusst, dass ich unheimliche Angst vor Gewittern hatte, weshalb er mir antwortete: \u201eNat\u00fcrlich, lass uns einfach irgendwo unterstellen und abwarten.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Bald darauf begann es auch schon heftig zu regnen. Zum Gl\u00fcck hatten wir mittlerweile in einer Senke bei einem Bach einen kleinen H\u00f6hleneingang gefunden, unter den wir uns gestellt hatten. Doch nachdem es nach einer halben Stunde nicht aufh\u00f6rte in Str\u00f6men zu regnen und es st\u00e4ndig blitzte und donnerte, lief der H\u00f6hleneingang langsam mit Wasser voll. \u201eWir sollten tiefer in die H\u00f6hle gehen, damit wir sicher vor dem Unwetter sind!\u201c, br\u00fcllte ich Lukas zu, da meine Stimme sonst vom Donnergrollen verschluckt worden w\u00e4re. Zusammen hasteten wir tiefer in die dunkle H\u00f6hle hinein. Das Wasser str\u00f6mte uns nun vom H\u00f6hleneingang entgegen, wodurch wir bald durch das Wasser wateten. Wir waren zwar nun vor dem Gewitter sicher, aber das Wasser floss und floss unaufh\u00f6rlich weiter, sodass Lukas langsam panisch wurde. \u201eTim, wir m\u00fcssen wieder aus dieser H\u00f6hle raus\u201c, schrie er mich an, \u201esonst versperrt uns das Wasser noch den R\u00fcckweg!\u201c \u201eNein!\u201c, entgegnete ich lautstark, \u201edort drau\u00dfen ist es viel zu gef\u00e4hrlich!\u201c Lukas wurde jetzt w\u00fctend: \u201eWarum habe ich nur auf dich geh\u00f6rt! Wir werden in dieser H\u00f6hle ertrinken!\u201c \u201eBl\u00f6dsinn!\u201c, entgegnete ich \u00fcberzeugt. \u201eWir ertrinken hier nicht! Schau, dort hinten gibt es noch eine weitere H\u00f6hle, so hoch steigt das Wasser nicht!\u201c, versuchte ich ihn zu beruhigen.<\/p>\n\n\n\n<p>M\u00fchselig watete ich durch das Wasser zu der gr\u00f6\u00dferen H\u00f6hle und rutschte vorsichtig hinab. \u201eKomm mit!\u201c, rief ich Lukas zu. Doch Lukas war nicht \u00fcberzeugt und lie\u00df sich nicht beruhigen: \u201eIch gehe! Du kannst allein hier ertrinken!\u201c Dies waren die letzten Worte, die ich von ihm h\u00f6rte, bevor er durch den H\u00f6hleneingang verschwand. \u201eLukas!\u201c, schrie ich ihm verzweifelt nach, \u201ebleib bitte hier!\u201c Als ich versuchte, ihm zu folgen, konnte ich die glitschige Felswand, die ich eben erst hinabgerutscht war, nicht wieder emporklettern. Zu viel Wasser str\u00f6mte mir von oben entgegen, wodurch sich die H\u00f6hle um mich herum langsam f\u00fcllte. Schlie\u00dflich bekam ich es wirklich mit der Angst zu tun.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun war ich hier: Gefangen in dieser H\u00f6hle, in die unaufh\u00f6rlich Wasser floss, ohne jeglichen Ausweg und ohne meinen besten Freund, der mir hier heraushelfen konnte. Niemals h\u00e4tte ich nach all den Jahren, die wir bereits seit dem Kindergarten befreundet waren, gedacht, dass er wirklich einfach verschwinden und mich hier im Stich lassen w\u00fcrde. Ich f\u00fchlte mich von Lukas betrogen und allein gelassen. Doch trotz aller Entt\u00e4uschung und Verzweiflung wollte ich es noch nicht ganz wahrhaben, dass dies gerade wirklich passiert war. Ich wusste, dass ich hier verloren war, jedoch hatte ein kleiner Teil meines Inneren die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben. Deshalb suchte ich im Dunklen nach weiteren Spalten im Felsen, nach einem weiteren H\u00f6hlenausgang. Ich suchte und suchte, w\u00e4hrend das Wasser um meine H\u00fcfte immer h\u00f6her stieg. Ich wollte es nicht hinnehmen, aber irgendwann musste ich aufgeben. Lukas hatte recht, ich w\u00fcrde hier wirklich ertrinken.<\/p>\n\n\n\n<p>Als ich jedoch schon jegliche Hoffnung auf Rettung aufgegeben hatte, rief mir pl\u00f6tzlich eine Stimme lautstark zu: \u201eKomm, ich hole dich hier raus!\u201c Das Wasser stand mir nun schon bis zum Kinn, als mir Lukas von oben seine Hand reichte. \u201eDu bist doch mein bester Freund, dich k\u00f6nnte ich hier niemals zur\u00fccklassen!\u201c, schrie er \u00fcber das Tosen des Wassers hinweg. Ich streckte ihm meinen Arm entgegen und Lukas packte zu. Mit vereinten Kr\u00e4ften schafften wir es schlie\u00dflich, dass ich die rutschige Steinwand erklomm und somit dem Wasser entkam. Hatte ich zuvor noch gedacht, dass mein Freund mich hier wirklich allein zur\u00fcckgelassen hatte, so wusste ich jetzt, dass er dies niemals h\u00e4tte tun k\u00f6nnen. \u201eDanke, Lukas!\u201c, st\u00f6hnte ich erleichtert und v\u00f6llig au\u00dfer Atem, w\u00e4hrend wir durch das kalte Wasser m\u00fchsam aus dem H\u00f6hleneingang wateten. \u201eNaja, ich konnte dich doch nicht einfach hier zur\u00fccklassen. Das h\u00e4tte ich niemals \u00fcbers Herz gebracht\u201c, entgegnete mir Lukas grinsend.<\/p>\n\n\n\n<p>Inzwischen war das unheimliche Gewitter drau\u00dfen weitergezogen und es fielen nur noch leichte Tropfen auf uns nieder. Jetzt hatten wir nur noch ein Problem: Es war dunkel geworden und wir konnten nicht v\u00f6llig durchn\u00e4sst und frierend auf dem Berg herumirren. Wir versuchten uns in der Dunkelheit zu orientieren und gemeinsam schafften wir es schlussendlich, den alten Pfad zu finden, der ins Tal f\u00fchrte. \u201eZusammen sind wir ein starkes Team und nach dem, was wir gerade erlebt haben, werden wir den R\u00fcckweg auch sicherlich ohne Probleme bew\u00e4ltigen\u201c, stellte Lukas \u00fcberzeugt fest. Wir machten uns zitternd in der Dunkelheit auf den Weg nach Hause, dorthin, wo wir jetzt am liebsten sein wollten. Der R\u00fcckweg schien uns tats\u00e4chlich das Einfachste an unserem ganzen Abenteuer zu sein und gemeinsam kamen wir schlie\u00dflich in der Morgend\u00e4mmerung zu Hause an.<\/p>\n\n\n\n<p>Das spannende Abenteuer mit Lukas war zwar sehr gef\u00e4hrlich gewesen, doch es hatte unsere Freundschaft nur noch weiter gest\u00e4rkt. Ich war stolz darauf, einen so gro\u00dfartigen Freund wie Lukas zu haben, auf den ich in jeder schwierigen Situation vertrauen konnte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Liam B\u00e4r; Foto KI-generiert mithilfe von Playground AI Der Wind peitschte und es regnete in Str\u00f6men. Blitze zuckten vor dem H\u00f6hleneingang \u00fcber den pechschwarzen Himmel und ein Ger\u00f6ll aus Donner erschlug sich \u00fcber mir. \u201eJetzt hat er mich doch im Stich gelassen\u201c, dachte ich mir verzweifelt. 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