{"id":673,"date":"2024-09-25T10:06:18","date_gmt":"2024-09-25T08:06:18","guid":{"rendered":"https:\/\/schuelerzeitung-ass.de\/?p=673"},"modified":"2024-09-25T10:06:18","modified_gmt":"2024-09-25T08:06:18","slug":"bildungsreform-als-loesung-fuer-soziale-ungerechtigkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schuelerzeitung-ass.de\/?p=673","title":{"rendered":"Bildungsreform als L\u00f6sung f\u00fcr soziale Ungerechtigkeit"},"content":{"rendered":"\n<p>von Laura Swat; Foto von Pixabay<\/p>\n\n\n\n<p>Soziale Ungleichheit in Deutschland zeigt sich in den unterschiedlichsten gesellschaftlichen Bereichen und wirkt sich damit auf die Arbeitswelt, Politik, Freizeit, Religion und Bildung aus. Personen und Personengruppen erfahren Ungerechtigkeit und Ausgrenzung aufgrund von sozialen Merkmalen wie Alter, Geschlecht, ungerechter Einkommens- und Verm\u00f6gensverteilung, Migrationshintergrund, Familienstand und nicht zuletzt aufgrund von Bildungsbenachteiligung. Dadurch werden die Chancen, sich pers\u00f6nlich verwirklichen zu k\u00f6nnen, massiv eingeschr\u00e4nkt, was zu einem R\u00fcckgang der sozialen Mobilit\u00e4t und zu einer Spaltung der Gesellschaft f\u00fchrt. Obwohl sich der Sozialstaat der sozialen Gerechtigkeit und der damit verbundenen Chancengleichheit aller Menschen verpflichtet, scheint dieses Prinzip in der Gesellschaft nicht umgesetzt zu sein. Vor allem Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler kommen mit den negativen Auswirkungen sozialer Ungerechtigkeit in Ber\u00fchrung, was ihnen die Bew\u00e4ltigung des Schulalltags erschwert. Da schulische Einrichtungen die Anforderungen an einen sicheren Ort f\u00fcr Lernende, der frei von Ungerechtigkeit, Benachteiligung und Chancenungleichheit ist, nicht erf\u00fcllen, bedarf es einer umfassenden Reform des Bildungssystems, um einen solchen Zustand erreichen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die in 2022 durchgef\u00fchrte internationale PISA-Studie hat erneut best\u00e4tigt, dass das Niveau der mathematischen und naturwissenschaftlichen F\u00e4higkeiten sowie der Lesekompetenz der 15-j\u00e4hrigen Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler in Deutschland sehr stark von sozio\u00f6konomischen und soziokulturellen Merkmalen abh\u00e4ngt, wie z.B. dem kulturellen Besitz und Wohlstand der Familien. Nach der Studie \u201eSoziale Selektion beim Zugang zum Studium\u201c der Hans-B\u00f6ckler-Stiftung streben von 100 Kindern aus Akademikerfamilien 71 ein Studium an. Vergleichsweise gering erscheint die Zahl der Kinder, deren Eltern keinen Hochschulabschluss erworben haben, denn von 100 Kindern aus Nichtakademikerfamilien entscheiden sich anschlie\u00dfend nur 24 f\u00fcr ein Studium. Ein Grund hierf\u00fcr ist, dass Nichtakademikerkinder h\u00e4ufig weniger finanzielle Unterst\u00fctzung von ihren Eltern erhalten und daher parallel zum Studium arbeiten m\u00fcssen. Dies kann auf ein geringeres Einkommen der Eltern zur\u00fcckgef\u00fchrt werden oder auf eine geringere Bereitschaft, ihren Kindern im Erwachsenenalter ein Studium zu finanzieren. Des Weiteren reichen den Studierenden andere Finanzierungsm\u00f6glichkeiten wie BAf\u00f6G, Stipendien oder Studienkredite nicht aus. Hinzu kommt, dass sich die Beantragung oftmals als schwierig gestaltet. Dar\u00fcber hinaus stellen fehlende Erfahrungen und Informationen des elterlichen und sozialen Umfelds \u00fcber Studieng\u00e4nge f\u00fcr viele Nichtakademikerkinder eine H\u00fcrde dar. Dies f\u00fchrt wiederum zu einem geringeren Interesse an einem Hochschulbesuch. Zudem wachsen Nichtakademikerkinder h\u00e4ufig in einer weniger lernanregenden Umgebung auf und erhalten von ihren Eltern weniger Unterst\u00fctzung beim Lernen. Daher kommen die Kinder aus diesen Elternh\u00e4usern kaum in Ber\u00fchrung mit kultureller Bildung und lesen m\u00f6glicherweise nur in der Schule Literatur oder besuchen Museen. In diesen Haushalten mangelt es des \u00d6fteren an der geeigneten Ausstattung, um eine ruhige und angemessene Lernumgebung zu schaffen, da es h\u00e4ufig an digitaler Infrastruktur und einem speziell f\u00fcr das Lernen vorgesehenen Ort fehlt. Dies f\u00fchrt in vielen F\u00e4llen zu Lernl\u00fccken. Um der gesamten Sch\u00fclerschaft das gleiche Ausma\u00df an Aussichten und Chancen zu erm\u00f6glichen, ist es erforderlich, auf individuelle Beratungen zur\u00fcckzugreifen, finanzielle Unterst\u00fctzung in den Fokus zu r\u00fccken und durch aktives Wirken, Inspirieren und Motivieren in den Bildungseinrichtungen f\u00fcr Anregung zu sorgen.<\/p>\n\n\n\n<p>Betrachtet man die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler mit Migrationshintergrund, zeigt die PISA-Studie auf, dass diese im Durchschnitt zwei Schuljahre in ihren Leistungen zur\u00fcckliegen. Lange Zeit gab es im Bereich der Sprachf\u00f6rderung in Deutschland keine gezielten Integrationsstrategien. Jedoch sollte in erster Linie die Integration von Zuwanderern auf schulischer Ebene erfolgen, denn es ist von entscheidender Bedeutung, jungen Menschen die Chance zu bieten, sich ohne Sprachbarrieren entfalten zu k\u00f6nnen. Der parlamentarische Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der FDP-Bundestagsfraktion, Marco Weber, f\u00fchrt an, das Instrument der Intensivklassen sei nicht geeignet, eine signifikante Ver\u00e4nderung herbeizuf\u00fchren. Dies w\u00fcrden die Ergebnisse im Nachbarland Hessen zeigen, wo es solche Intensivklassen gebe. Laut Bildungsministerin Dr. Stefanie Hubig (SPD) verspricht dagegen die sofortige Integration in eine Regelklasse eine hohe Erfolgsquote. In sprachlich weniger anspruchsvollen F\u00e4chern wie Mathematik oder Musik w\u00fcrden Lernende mit Migrationshintergrund gemeinsam mit ihren Mitsch\u00fclerinnen und Mitsch\u00fclern, mit denen sie auch in den Pausen spielen und reden, lernen. Der Schl\u00fcssel zur Integration liegt in der Ausgewogenheit zwischen sozialem, sprachlichem und kulturellem Lernen.<\/p>\n\n\n\n<p>Aufgrund von \u00fcberkommenen Stereotypen und konventionellen Wertevorstellungen, die aufgrund des veralteten Schulsystems immer noch eine Rolle spielen, sind Frauen in den MINT-F\u00e4chern stark unterrepr\u00e4sentiert. Seit den Anf\u00e4ngen des Schulsystems wurden die MINT-F\u00e4cher, also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, den Jungen zugeschrieben, w\u00e4hrend sich die M\u00e4dchen mit musischen und handwerklichen F\u00e4chern besch\u00e4ftigen sollten. Diese \u00fcberholten Wertvorstellungen beeinflussen auch heute noch die schulische Laufbahn von M\u00e4dchen. Obwohl der Frauenanteil in MINT-Studieng\u00e4ngen insgesamt gestiegen ist, entscheiden sich weniger Frauen als M\u00e4nner f\u00fcr MINT-F\u00e4cher und akademische MINT-Berufe als M\u00e4nner. Exemplarisch zeigt sich diese Unterrepr\u00e4sentierung in den Ingenieurwissenschaften: Dem Statistischen Bundesamt zufolge liegt der Frauenanteil der Studierenden im ersten Hochschulsemester in Deutschland sowie der Absolventinnen und Absolventen im Erststudium im Jahr 2021 unter 30 Prozent. Insbesondere in F\u00fchrungspositionen, die als Indikator f\u00fcr Innovation und Kreativit\u00e4t gelten, sind deutlich weniger Frauen anzutreffen als M\u00e4nner. Um Deutschland als wettbewerbsf\u00e4higen Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort weiter voranzubringen, m\u00fcssen gerade f\u00fcr die innovationstreibenden akademischen MINT-Berufe alle Talente gewonnen und langfristig gehalten werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Was w\u00fcrde auf die Berufe gut vorbereiten? \u201eZum Beispiel Informatikunterricht, durchg\u00e4ngig ab Klasse 5\u201c, erkl\u00e4rt die Medieninformatikerin Sibylle Kunz dem MDR gegen\u00fcber, \u201e[u]nd zwar Informatikunterricht, der diesen Namen auch verdient. Der sich nicht auf reines Anwendungswissen beschr\u00e4nkt, also den Umgang mit Excel, PowerPoint und Word.\u201c Junge und begabte M\u00e4dchen bekommen von Lehrkr\u00e4ften im MINT-Unterricht des \u00d6fteren diskriminierende Aussagen zu h\u00f6ren, wie etwa: \u201eF\u00fcr ein M\u00e4dchen w\u00e4re die Antwort ok gewesen, aber von Dir [einem Jungen] h\u00e4tte ich sowas nicht erwartet\u201c<em>, <\/em>wie eine Sch\u00fclerin eines Leipziger Gymnasiums erz\u00e4hlt. Hinzu kommt, dass die M\u00e4dchen gerne mit den Jungen verglichen werden und so diesen vermittelt wird, dass sie sich auf Grund ihres Geschlechts besonders anstrengen m\u00fcssen. Diese Faktoren, die dazu f\u00fchren, dass die Lernumgebung unmotivierend und belastend wirkt, beg\u00fcnstigt das Desinteresse der Sch\u00fclerinnen an den F\u00e4chern.<\/p>\n\n\n\n<p>Letztlich ist die Bildung der Schl\u00fcssel zur individuellen Entwicklung und gesellschaftlichen Teilhabe und daher ist es umso wichtiger, eine gerechte Bildung durch eine Schulreform zu gew\u00e4hrleisten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Laura Swat; Foto von Pixabay Soziale Ungleichheit in Deutschland zeigt sich in den unterschiedlichsten gesellschaftlichen Bereichen und wirkt sich damit auf die Arbeitswelt, Politik, Freizeit, Religion und Bildung aus. 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