{"id":702,"date":"2025-01-15T20:13:52","date_gmt":"2025-01-15T19:13:52","guid":{"rendered":"https:\/\/schuelerzeitung-ass.de\/?p=702"},"modified":"2025-01-15T20:13:52","modified_gmt":"2025-01-15T19:13:52","slug":"wenn-worte-verwirren-die-unverstaendlichkeit-der-verwaltungssprache","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schuelerzeitung-ass.de\/?p=702","title":{"rendered":"Wenn Worte verwirren: Die Unverst\u00e4ndlichkeit der Verwaltungssprache"},"content":{"rendered":"\n<p>von Norea Aurelia Finkeldei; Foto von Pixabay<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eSehr geehrte Damen und Herren,\u201c \u2013 noch heute werden offenbar zahlreiche Beh\u00f6rdenschreiben so verfasst, dass sie bei vielen Menschen zunehmend als unverst\u00e4ndlich und schwer zug\u00e4nglich gelten. Dies liegt in den meisten F\u00e4llen daran, dass sich die Verwaltungssprache zum Gro\u00dfteil nicht von der juristischen Fachsprache unterscheidet. Sie enth\u00e4lt viele Fachw\u00f6rter, mit denen Laien oft nicht zurechtkommen. Aus diesem Grund sollte in Zukunft mehr Wert auf die Verst\u00e4ndlichkeit f\u00fcr die Leserschaft gelegt werden, um Missverst\u00e4ndnisse bei der \u00dcbermittlung wichtiger Informationen aus \u00c4mtern und Beh\u00f6rden zu vermeiden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Unverst\u00e4ndlichkeit und Fachsprache als Barriere<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das Diagramm des Instituts f\u00fcr Demoskopie Allensbach \u201eWas an der Rechtssprache vor allem st\u00f6rt\u201c zeigt, welche Faktoren von den im Jahr 2008 Befragten als hinderlich beim Verst\u00e4ndnis von Verwaltungstexten empfunden werden. Die Daten verdeutlichen, dass 71&nbsp;% der Befragten die S\u00e4tze als zu umst\u00e4ndlich formuliert und 61&nbsp;% die Fachbegriffe als st\u00f6rend empfinden. Viele B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger sind nach dem Lesen eines Verwaltungstextes \u00fcberfordert und f\u00fchlen sich teils verunsichert oder sogar angegriffen, wenn sie den Inhalt des Textes nicht nachvollziehen k\u00f6nnen. Dies schafft eine Barriere zwischen \u00d6ffentlichkeit und Verwaltung.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Mangelnde Lesef\u00e4higkeit als zus\u00e4tzliches Hindernis <\/strong><strong><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ein weiterer Faktor, der die Relevanz einer vereinfachten Verwaltungssprache unterstreicht, ist die eingeschr\u00e4nkte Lesef\u00e4higkeit vieler Menschen. Eine Studie der Universit\u00e4t Hamburg belegt, dass etwa 7,5 Millionen Erwachsene in Deutschland \u00fcber eine mangelnde Lese- und Schreibf\u00e4higkeit verf\u00fcgen. Dies betrifft einen erheblichen Teil der erwachsenen Bev\u00f6lkerung in Deutschland, welche auf die leichte Verst\u00e4ndlichkeit von Verwaltungstexten angewiesen ist. Die komplexe Verwaltungssprache, welche h\u00e4ufig durch Fachbegriffe und verschachtelte Formulierungen gepr\u00e4gt ist, wird den Bed\u00fcrfnissen dieser Menschen nicht gerecht. Wichtige Informationen werden dadurch m\u00f6glicherweise falsch interpretiert oder gar nicht verstanden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Notwendigkeit einer klaren und verst\u00e4ndlichen Ausdrucksweise<\/strong><strong><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das Bundesverwaltungsamt hat bereits 2002 die Problematik der Verwaltungssprache erkannt und Hilfestellungen f\u00fcr mehr Verst\u00e4ndlichkeit vorgeschlagen. Dazu geh\u00f6ren beispielsweise der Verzicht auf Abk\u00fcrzungen und Fachbegriffe, eine pr\u00e4zise und \u00fcbersichtliche Satzstruktur sowie verst\u00e4ndliche Erl\u00e4uterungen. Eine klare und einfache Sprache k\u00f6nnte die Transparenz zwischen Bev\u00f6lkerung und Beh\u00f6rden st\u00e4rken und dazu beitragen, dass wichtige Informationen besser vermittelt werden. Verwaltungstexte k\u00f6nnen \u2013 wie beispielsweise in der \u201eCoronavirus-Schutzverordnung\u201c \u2013 entweder komplex und \u00fcberfordernd oder aber leicht verst\u00e4ndlich und \u00fcbersichtlich formuliert werden, wie in dem Auszug \u201eAktuelle Regelungen auf einen Blick\u201c gezeigt. Falls erforderlich, sollten komplexe Vorg\u00e4nge durch erl\u00e4uternde Abs\u00e4tze oder Beispiele veranschaulicht werden, um eine missverst\u00e4ndnisfreie Kommunikation zu gew\u00e4hrleisten.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger die Inhalte und Anliegen der Beh\u00f6rden besser nachvollziehen k\u00f6nnen, wird nicht nur die Kommunikation, sondern auch die Umsetzung der gewollten Ma\u00dfnahmen erleichtert.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich appelliere daher an die Verantwortlichen in den Beh\u00f6rden und \u00c4mtern, die Verwaltungssprache zug\u00e4nglicher zu gestalten. Durch den Verzicht auf Fachsprache und Abk\u00fcrzungen sowie durch zus\u00e4tzliche k\u00f6nnte die Verst\u00e4ndlichkeit verbessert, Fehlinterpretationen vermieden und eine konstruktive Kommunikation zwischen Staat und B\u00fcrgern gef\u00f6rdert werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Norea Aurelia Finkeldei; Foto von Pixabay \u201eSehr geehrte Damen und Herren,\u201c \u2013 noch heute werden offenbar zahlreiche Beh\u00f6rdenschreiben so verfasst, dass sie bei vielen Menschen zunehmend als unverst\u00e4ndlich und schwer zug\u00e4nglich gelten. Dies liegt in den meisten F\u00e4llen daran, dass sich die Verwaltungssprache zum Gro\u00dfteil nicht von der juristischen Fachsprache unterscheidet. 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