{"id":746,"date":"2025-04-22T13:43:00","date_gmt":"2025-04-22T11:43:00","guid":{"rendered":"https:\/\/schuelerzeitung-ass.de\/?p=746"},"modified":"2025-04-03T17:45:06","modified_gmt":"2025-04-03T15:45:06","slug":"ich-bin-gerne-da-wenn-ich-gebraucht-werde-im-gespraech-mit-frau-lorz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schuelerzeitung-ass.de\/?p=746","title":{"rendered":"Ich bin gerne da, wenn ich gebraucht werde \u2013 Im Gespr\u00e4ch mit Frau Lorz"},"content":{"rendered":"\n<p>von Hanaa Amraoui, Nina Vukadinovi\u0107<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Guten Tag, Frau Lorz, wie geht es Ihnen heute?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Soweit gut, danke.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wir sind Hanaa und Nina von der Online-Sch\u00fclerzeitung. Wir freuen uns, dass wir heute das Interview mit Ihnen f\u00fchren k\u00f6nnen. Stellen Sie sich bitte einmal f\u00fcr die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler vor, die Sie noch nicht kennen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich denke, meinen Namen kennt ihr. Ich werde bald 60 und bin seit dem Jahr 2000 an der Schule. Zun\u00e4chst habe ich die F\u00e4cher Mathematik und Physik unterrichtet und bin dann in 2008 zur Schulleitung dazugesto\u00dfen. Seitdem bin ich hier. Ansonsten bin ich nicht aus Offenbach, wohne auch nicht hier, komme aber trotzdem immer wieder gerne hierher.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was ist Ihr Aufgabenprofil als stellvertretende Schulleiterin?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Meine Hauptaufgabe l\u00e4sst sich einfach beschreiben. Als Stellvertreterin bin ich immer dann gefragt, wenn der Schulleiter, aktuell Herr Wasserka, nicht da ist und etwas erledigt werden muss. Dann ist es meine Aufgabe, ihn zu vertreten. Das ist so, wie wenn man einen Klassensprecher hat: Wenn der Hauptsprecher nicht da ist, muss der Stellvertreter sich um dessen Angelegenheiten k\u00fcmmern.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist das eine. Ansonsten gibt es in der Schulleitung einen Verteilungsplan, wer was macht. Ich habe schon verschiedene Aufgaben \u00fcbernommen. Vieles von dem, was ich fr\u00fcher gemacht habe, wie den Stunden- oder Vertretungsplan, mache ich nicht mehr. Inzwischen k\u00fcmmere ich mich viel um das, was im Alltag anf\u00e4llt, ich bin also auf Abruf. Nebenbei unterrichte ich noch ein paar Stunden, organisiere Abl\u00e4ufe und habe auch viele Aufgaben im p\u00e4dagogischen Bereich. Wenn zum Beispiel jemand gerade \u201edurchdreht\u201c, komme ich dazu.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was gef\u00e4llt Ihnen an Ihrer Arbeit am meisten? Auf was w\u00fcrden Sie verzichten?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Am meisten gef\u00e4llt mir der Kontakt mit Menschen, vor allem mit den Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern. Sie machen den gr\u00f6\u00dften Teil des Schullebens aus, und die Arbeit mit ihnen macht mir immer Freude. Verzichten w\u00fcrde ich auf das Notengeben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie lange sind Sie schon hier?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wie schon gesagt, ich bin seit 2000 hier, also seit \u00fcber 24 Jahren. Ich habe 1998 mein Referendariat beendet und dann noch eine Weile an einer anderen Schule gearbeitet. Anschlie\u00dfend habe ich hier ein Angebot f\u00fcr eine sogenannte Planstelle bekommen. Zuerst habe ich gedacht: Offenbach? Da war ich vorher nur ein einziges Mal! Aber ich habe mir die Schule angeschaut, und es hat sofort gepasst. Ich w\u00fcrde auch nicht mehr woanders hinwollen. Ich f\u00fchle mich hier sehr wohl.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wegen der Corona-Pandemie haben Sie kommissarisch das Amt der Schulleiterin \u00fcbernommen. Wie war diese Zeit f\u00fcr Sie? Und kommt der Posten als Schulleiterin generell f\u00fcr Sie infrage?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das sind gleich mehrere Fragen. Die Corona-Pandemie war eine besondere Herausforderung. In dieser Zeit habe ich mich in einer besonderen Verantwortung gef\u00fchlt. Wenn ich das Gef\u00fchl hatte, dass es wegen der Pandemie gef\u00e4hrlich wird, habe ich mich sch\u00fctzend vor die Schule gestellt und gesagt: \u201eNein, wir m\u00fcssen das jetzt anders machen, damit wir unsere Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler sowie meine Kolleginnen und Kollegen nicht gef\u00e4hrden.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Das war die eine Frage. Es war nicht nur w\u00e4hrend der Corona-Pandemie so, dass ich die Schule kommissarisch geleitet habe. Es war f\u00fcr mich eine sch\u00f6ne und interessante Erfahrung, wobei ich die ganze Zeit dachte: \u201eHoffentlich kommt bald jemand und \u00fcbernimmt den Job!\u201c Somit habe ich auch schon die letzte Frage beantwortet: Nein, das kommt f\u00fcr mich nicht infrage. Ich habe schon mal in meinem Leben dar\u00fcber nachgedacht, ob ich Schulleiterin werden m\u00f6chte, aber dann immer gedacht: \u201eNein, die allerletzte Verantwortung f\u00fcr alles zu haben, das m\u00f6chte ich nicht!\u201c Ich bin gerne da, wenn ich gebraucht werde \u2013 sei es f\u00fcr eine kommissarische Schulleitung oder, wie ich vorhin sagte, wenn Herr Wasserka einmal krank oder abwesend ist. Aber die Position als Schulleiterin kommt f\u00fcr mich nicht infrage. Ihr wisst bereits, wie alt ich bin, das hei\u00dft, es ist absehbar, wann ich nicht mehr hier sein werde. Es ist also keine Frage mehr f\u00fcr mich.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie ist die Zusammenarbeit mit Ihren Kolleginnen und Kollegen, sowohl innerhalb der Schulleitung als auch innerhalb des Kollegiums?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Zusammenarbeit ist sehr sch\u00f6n. Das war nicht immer so \u2013 innerhalb der Schulleitung kann ich das inzwischen auch offen sagen, weil diejenigen, mit denen es nicht so sch\u00f6n war, nicht mehr da sind. Heute haben wir eine sehr enge und gute Zusammenarbeit. Wir sind sehr vertraut miteinander, haben viel Spa\u00df und sind uns einig in dem, was wir wollen. Auch wenn wir einmal unterschiedliche Meinungen haben, finden wir schnell gemeinsame L\u00f6sungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Gleiche gilt f\u00fcr das Kollegium. Bevor ich in die Schulleitung gewechselt bin, war ich acht Jahre lang Teils des Kollegiums. Diese Zeit habe ich sehr genossen. Das Kollegium habe ich immer als Bereicherung f\u00fcr mich und mein Leben gesehen, und das ist auch einer der Gr\u00fcnde, warum ich immer gerne hierherkomme.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was konnten Sie als stellvertretende Schulleiterin an der ASS ver\u00e4ndern bzw. w\u00fcrden Sie gerne noch ver\u00e4ndern?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>R\u00fcckblickend gibt es viele kleine Sachen, die mir einfallen w\u00fcrden, aber ich schaue lieber nach vorne. Beispielsweise w\u00e4re mir das Geb\u00e4ude ein besonderes Anliegen. Sicherlich habt ihr gesehen, dass einige neue M\u00f6bel geliefert wurden. Gemeinsam mit den Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern wollen wir den Vorraum der Mensa und den Flur dahinter wohnlicher gestalten. Da wir eine ganz tolle Sch\u00fclerschaft haben und laut Erz\u00e4hlungen angeblich das beliebteste Gymnasium in Offenbach sind \u2013 was ein ganz besonderes Lob ist \u2013, m\u00f6chte ich, dass das Geb\u00e4ude dem gerecht wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Au\u00dferdem w\u00fcrde ich die UNESCO-Arbeit dahingehend umstrukturieren, dass mehr Aktivit\u00e4ten im Unterricht eingebunden werden. Ihr wisst sehr wahrscheinlich, dass die UNESCO verschiedene Gedenktage unterst\u00fctzt. Solche Aktionen sollten ebenfalls verst\u00e4rkt im Unterricht stattfinden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>An welches Ereignis erinnern Sie sich gerne zur\u00fcck und warum?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt viele Ereignisse, die mir einfallen. Vor allem sind es Aktionen zu Ereignissen. Besonders ber\u00fchrend war das Gedenken an den Anschlag in Hanau, bei dem sehr viele Menschen erschossen wurden. Jedes Jahr erinnern wir uns als Schulgemeinde, was damals passiert ist. Einen Tag nach dem Anschlag versammelte sich die gesamte Sch\u00fclerschaft im Hof. Nachdem wir eine Durchsage gemacht hatten, dass wir uns alle im Hof treffen, liefen wir schweigend die Treppen herunter und bildeten einen gro\u00dfen Kreis. Ich war sehr beeindruckt, wie unsere Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler gesp\u00fcrt haben, dass etwas ganz Schlimmes passiert ist. Das hat mir gezeigt, wie besonders unsere Schulgemeinschaft ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Ansonsten sind es die vielen kleinen Ereignisse, die mich jeden Tag begleiten. Wenn mir morgens Sch\u00fcler mit einem \u201eHallo Frau Lorz!\u201c begegnen, finde ich das toll. Es sind diese kleinen Ereignisse, die die den Alltag so besonders machen, das kennt ihr sicher auch.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit f\u00fcr unser Interview genommen haben.<\/strong> <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Hanaa Amraoui, Nina Vukadinovi\u0107 Guten Tag, Frau Lorz, wie geht es Ihnen heute? 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