von Lilly-Luisa Wegner, Lina Kurth; Foto von Frau Biedenbach
Hallo Frau Biedenbach, wir sind Lilly und Lina von der Online-Schülerzeitung. Wir möchten gerne ein Interview mit Ihnen über die Kaninchen führen. Wie kamen Sie auf die Idee mit den Kaninchen?
Gerne. Die Idee hatte tatsächlich nicht ich, sondern die Schulleitung, und zwar Herr Wasserka und Frau Wendisch. Herr Wasserka ist für die ganze Schule und Frau Wendisch ist für den naturwissenschaftlichen Bereich verantwortlich. Sie wollten gerne, dass der Schulgarten, der stark verwuchert ist, wieder mehr mit Leben gefüllt wird. Zudem sollten auch Tiere dazu gehören, und da haben sie sich gedacht, dass sich Kaninchen gut in die Schulkultur integrieren lassen und das ganze Jahr über draußen leben können. Außerdem sind Kaninchen sehr zutrauliche Tiere, die sich streicheln lassen, was schön für euch Schülerinnen und Schüler ist. Wahrscheinlich waren Herrn Wasserkas Ziele die Übernahme von Verantwortung gegenüber Natur und Umwelt. Man kann die Kaninchen in den Unterricht einbinden, etwa in Biologie zum Thema Haustiere oder in Deutsch bei Beschreibungen. Zudem gibt es Schulprojekte, die sich ebenfalls gut mit den Kaninchen verknüpfen lassen. Zwar hatte nicht ich die Idee, sondern andere, da ich mich aber gut mit Kaninchen auskenne und selber welche zu Hause habe, bin ich Teil dieses Projekts.
Wie lange hat es ungefähr gedauert, bis die Idee umgesetzt wurde?
Die Umsetzung hat gar nicht so lange gedauert. Herr Wasserka hatte die Idee im März 2025 und fragte mich direkt, ob ich mir vorstellen könnte, das Projekt zu leiten. Drei Monate später sind auch schon die ersten Kaninchen eingezogen. Im Vergleich zu anderen Schulprojekten ging es bei den Kaninchen ziemlich schnell.
Wie lange hat der Bau gedauert?
Der Bau des Geheges hat mehrere Wochen gedauert und war zunächst recht anstrengend. Gemeinsam mit der Umwelt-AG mussten wir zuerst den Boden ausheben, damit Platten verlegt werden konnten. Das Gehege muss nach unten gut abgesichert sein, damit sich die Kaninchen nicht freibuddeln und nicht von Raubtieren wie dem Marder verletzt oder getötet werden. Zwei Freitagnachmittage haben wir zusammen mit der Umwelt-AG länger als bis 15 Uhr gearbeitet, wenn die AG eigentlich endet, und zusätzlich war ich mit meinem Mann am Wochenende privat hier, um alles fertigzustellen. Dennoch ging es verhältnismäßig schnell, weil das Gehege vom Vorbesitzer bereits gebaut war und nur noch abgebaut, zur Schule transportiert und hier wieder aufgebaut werden musste. Dadurch war es auch etwas günstiger, als wenn wir es komplett neu gekauft hätten.
Wie viel hat das gesamte Projekt gekostet und wer kam für die Kosten auf?
Das Unterbringen des Geheges mit allen Häuschen und Zubehör hat ungefähr 1.000 Euro gekostet. Das ist bei Kaninchen der größte Kostenpunkt. Dafür sind wir dem Förderverein sehr dankbar, denn solch eine Summe steht einer Schule nicht einfach zur Verfügung. Ohne diese Unterstützung von außen wäre das Projekt nicht umsetzbar gewesen. Hinzu kommen die laufenden Kosten für das Futter. Im Winter sind sie höher, da wir Gemüse kaufen müssen. Im Sommer können wir Wiese pflücken und kostenlos füttern. Auch diese monatlichen Kosten übernimmt der Förderverein.
Sind die Kaninchen für jeden zugänglich und wie erhält man Zugang?
Prinzipiell ja. Freitags ab 13:30 Uhr bin ich bis 15 Uhr hier, und in dieser Zeit kann man gerne die Kaninchen besuchen, Fragen stellen und etwas lernen. In den Pausen und direkt nach der sechsten Stunde kümmern sich die Kinder, die Kaninchendienst haben, um die Tiere. Währenddessen sollen die Kaninchen möglichst nicht gestört werden, weil es für sie anstrengend ist, wenn viele Menschen da sind. Ich achte darauf, dass sich höchstens fünf bis sechs Personen gleichzeitig im Gehege aufhalten.
Die Kinder mit Kaninchendienst holen sich den Schlüssel im Sekretariat ab und werden dort erfasst. Wer die Kaninchen außerhalb der offenen AG besuchen möchte, spricht mich persönlich an, damit wir einen Termin vereinbaren können. In den Ferien müssen die Kaninchen ebenfalls gefüttert und das Gehege sauber gemacht werden. Das übernimmt vor allem das Hausmeisterteam, manchmal auch die Kinder aus der Umwelt-AG. Da das Sekretariat in den Ferien nicht immer besetzt ist und ich auch nicht immer in den Ferien da bin, erfolgt die Organisation dann über die Hausmeister, die außerdem am Wochenende beim Füttern unterstützen, wenn die Schule vollständig geschlossen ist.
Wie läuft es in der AG ab?
Die AG ist ein offenes Angebot, inzwischen arbeite ich auch eng mit der Umwelt-AG von Frau Stromidl zusammen. Man kann kommen, die Kaninchen streicheln und lernen, was sie fressen und wie man sie richtig pflegt. Neben dem Füttern gehört auch das Säubern der Toiletten und des Geheges dazu. Die Kinder stellen recht offen Fragen, zum Beispiel: „Woran erkennt man, dass die Kaninchen gesund sind?“ oder „Welches Futter ist giftig?“ Wir nehmen dann durch, was sie fressen und was giftig für sie ist. Außerdem arbeiten wir daran, den Schulgarten zu erneuern. Wir haben das Gras zunächst entfernt und Winterpflanzen wie Senf gepflanzt, den die Kaninchen gerne fressen und der gut für ihren Kreislauf ist. Im Sommer wollen wir weitere Bereiche neu gestalten.
Gibt es eine Patenklasse?
Ja, aktuell ist die 5d die Patenklasse und übernimmt die Kaninchendienste von Montag bis Donnerstag. Freitags unterstützt die 7b, die frühere Patenklasse. Ab dem nächsten Schuljahr sollen aber auch Kinder aus anderen Klassen in die Dienste einbezogen werden können.
Wie kamen die Kaninchen mit der neuen Situation klar?
Anders als Hunde können Kaninchen Menschen nicht gut wiedererkennen. Sie freuen sich, dass sie gefüttert werden. Wer ihnen das Futter bringt, ist ihnen egal. Um zu eurer Frage zurückzukommen, die Kaninchen kamen gut mit der neuen Situation klar. Das ist auch ein Vorteil des Projekts, weil dadurch mehr Schülerinnen und Schüler Verantwortung übernehmen können. Im Gegensatz zu Hunden, die stark auf bestimmte Personen fixiert sind, lassen sich Kaninchen auch von anderen streicheln und fremdeln dann nicht.
Wurden die Kaninchen, bevor sie eingezogen waren, medizinisch versorgt und werden sie auch jetzt noch regelmäßig untersucht?
Ja, beide Kaninchen wurden gegen die klassischen Kaninchenseuchen geimpft und das Männchen ist kastriert, damit es keinen ungewollten Nachwuchs gibt. Da es generell schon viele Kaninchen gibt, sollte man keinen weiteren Nachwuchs fördern, sondern meiner Meinung nach lieber Tiere aus Tierschutzstellen aufnehmen.
Einmal im Jahr werden die Kaninchen geimpft und gleichzeitig untersucht. Dabei kontrolliert der Tierarzt auch Zähne und Krallen. Die Kinder mit Kaninchendienst wissen außerdem ganz genau, worauf sie achten müssen, um zu erkennen, ob es einem Tier gut geht. Einmal war eines der Kaninchen, unser Cookie, krank, weil ein Zahn in die Zunge gewachsen war. In diesem Fall mussten wir zwischendurch zum Tierarzt fahren.
Wie vertragen sich die Kaninchen untereinander?
Die beiden vertragen sich gut. Kaninchen sollten immer mindestens zu zweit gehalten werden, da sie sehr soziale Tiere sind. Sie sind körperhygienisch aufeinander angewiesen, putzen sich gegenseitig und geben einander Sicherheit. Als Cookie einmal über das Wochenende beim Tierarzt war und bis zum Montagmorgen noch nicht wieder zurück war, saß das andere Kaninchen allein in der Ecke und versteckte sich. Normalerweise kommen beide sofort angerannt, wenn es Futter gibt. Daran merkt man, wie wichtig ihnen ein vertrauter Artgenosse ist. Natürlich gibt es manchmal Rangordnungskämpfe. Meist übernimmt Cookie die Führungsrolle, frisst zuerst und verjagt seine Partnerin. Das ist bei Kaninchen ganz normal.
Vielen Dank für das Interview.
