von Kinga Urbanski; Foto von Pixabay

Das neue Schuljahr hat gerade begonnen und für einige bedeutet dies Veränderung: Sie lassen die vertraute Mittelstufe hinter sich und betreten die unbekannte Oberstufe, auch Sekundarstufe II genannt. Aber wie ist die Oberstufe eigentlich aufgebaut und was macht das elfte Schuljahr so besonders?

Die Einführungsphase, auch mit E-Phase abgekürzt, beschreibt das elfte von in der Regel 13 Schuljahren. Sie leitet in die Sekundarstufe II ein und dient dazu, dass sich die Schülerinnen und Schüler eingewöhnen, sich an die neue, selbstverantwortliche Arbeitsweise herantasten und schließlich ihren Platz finden. Der große Unterschied zwischen der Sekundarstufe I und II ist, dass man in der Oberstufe nicht mehr schulpflichtig ist und die Vorbereitungsphase auf das Abitur auf freiwilliger Basis beruht. Zudem ist besonders, dass die Oberstufe in einem Kurssystem aufgebaut ist und es somit keine Klassenverbünde mehr gibt. Wichtig zu differenzieren ist aber, dass die Noten der E-Phase nicht in das Abitur einfließen. Diese werden erst in der Qualifikationsphase (Q-Phase) relevant. So probiert man in der E-Phase zunächst zwei Orientierungskurse aus, um herauszufinden, ob diese als fünfstündige Leistungskurse mit erhöhtem Niveau in der Q-Phase in Frage kommen. Das bedeutet im Großen und Ganzen mehr Selbstständigkeit, mehr Unterrichtsstoff und viele Möglichkeiten, neue, wertvolle Erfahrungen zu sammeln. Wie kann man sich dies aber nun vorstellen?

Im Schuljahr 2024/2025 besuchte ich die E-Phase. Zunächst hatte ich großen Respekt vor dem Schuljahr, denn nun stand ich wirklich auf meinen eigenen Beinen. Jetzt wird es ernst, dachte ich mir. Was ist, wenn sich meine Freundschaften langsam lösen oder ich mich ganz alleine in Kursen zwischen 25 fremden Lernenden wiederfinde? Finde ich dort auch Anschluss? Was ist, wenn ich eine Lehrkraft bekomme, mit der ich nicht klarkomme? Oder gar die, vor der sich alle fürchten? Habe ich die richtigen Orientierungskurse gewählt? Das waren die Gedanken, die mir in den Wochen vor Schuljahresbeginn durch den Kopf schossen. Vielleicht beruhigt es euch, denn es klingt viel schlimmer, als es tatsächlich ist. Wichtig ist, dass ihr in euch selbst vertraut. Denn wer kennt sich besser als man selbst? Die E-Phase ist ein neuer Abschnitt. Es mag angsteinflößend klingen, aber es ist okay, überfordert und nervös zu sein. Das zeigt, dass es euch am Herzen liegt.

Und hier ist das Erste, was ich euch mit auf den Weg geben möchte: Seid offen für Neues. Für neue Lehrkräfte, neue Erfahrungen und für neue Mitschülerinnen und Mitschüler. Ihr müsst nicht beste Freunde werden, aber auf einer guten Basis zu beginnen, schadet nicht. Und so übersteht ihr auch Kurse, in denen ihr Personen noch nicht so gut kennt. Einige der Mitschülerinnen und Mitschüler werden euch nun bis zum Abitur begleiten, deshalb versucht euch anzuschließen und eine freundliche Beziehung mit den Personen zu pflegen.

Zweitens, die E-Phase ist im Grunde genommen ein Schuljahr, das euch viele Möglichkeiten bietet, euch zu finden. Wenn ihr merkt, dass einer der Orientierungskurse doch nicht zu euch passt, habt ihr immer noch die Möglichkeit, im Halbjahr zu wechseln. Auch die Umstellung der Benotung mag gewöhnungsbedürftig sein. Klausuren sind zum Teil anders als Klassenarbeiten aufgebaut und dass man sich daran erst gewöhnen muss, ist logisch. Also erschreckt euch nicht und bekommt keine Selbstzweifel, wenn sich eure Noten verschlechtern. Mit der Zeit legt sich das wieder. Und vielleicht stellt ihr sogar fest, dass euch eine Ausbildung oder das Fachabitur doch mehr ansprechen. Jetzt habt ihr die Möglichkeit, euch selbst zu entfalten und euch Ziele zu setzen.

Drittens: Der erste Eindruck zählt. Das Bild, welches ihr die ersten Wochen vermittelt, bleibt hängen. Bringt eure beste Seite zum Vorschein. Stellt Fragen, seid wissbegierig und aufmerksam. Erfahrungsgemäß ist es auch notwendig zu benennen, dass euch bewusst sein muss, dass bei einem großen Maß an Fehlzeiten eine Attestpflicht verhängt werden kann. Genauso ist aber auch ganz wichtig: Bildet euch eine eigene Meinung von Dingen, anstatt auf Vorurteile und Gerüchte zu hören. Begegnet anderen so, wie ihr euch wünschen würdet, von ihnen behandelt zu werden.

Zu guter Letzt möchte ich sagen, dass die E-Phase überfordernd sein kann und die Umstellung auf mehr Selbstständigkeit zu mehr Zeitdruck führen kann. Auch die Klausurenphase kann anstrengend sein, jedoch schafft man das mit dem richtigen Zeitmanagement und den richtigen Lernmethoden. Für etwas mehr Unterstützung könnt ihr euch im bereits veröffentlichten Beitrag „How to – Tipps für die gymnasiale Oberstufe“ Anregung holen. Nutzt diese Möglichkeit und findet heraus, was für euch am besten passt.

Anschließend gebe ich euch mit: Genießt die Zeit und stresst euch nicht zu sehr. Die Schule sollte nicht euer ganzes Leben einnehmen. Eine Balance zwischen Schule, Familie und Freizeit ist der Schlüssel zu einem ausgeglichenen Alltag. Alles wendet sich zum Guten!

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