von Sofia Davidovic
Zwischen einem europäischen Klassenzimmer und dem Schultag am anderen Ende Asiens liegen nicht nur 8.500 Kilometer Luftlinie, sondern auch viele spannende kulturelle Unterschiede. Während man in Deutschland gemütlich frühstückt, ziehen koreanische Schülerinnen und Schüler ihre Schuluniformen an, die oft mit großer Sorgfalt und Pflichtbewusstsein getragen werden. Doch nicht nur die Kleidung unterscheidet den koreanischen Schultag von unserem, auch beginnt der Unterricht oft früher. Zudem sind die Pausen strenger geregelt und während bei uns lebhafte Diskussionen und Gruppenarbeiten willkommen sind, setzt man in Korea auf Respekt, Ordnung und Disziplin.
Doch welche Wirkung hat unser Alltag auf junge koreanische Menschen? Diese Frage konnten wir im Rahmen eines Schülerbesuches einer Gruppe koreanischer Oberstufenschülerinnen und -schüler am 27.08.2025 beantworten. Bei diesem wurden nicht nur Distanz und die vielen kulturellen Unterschiede überwunden, sondern es entstand auch eine wertvolle Begegnung, bei der beide Seiten voneinander lernen konnten.
Während einer neuntägigen Klassenfahrt durch Deutschland, bei der ausgewählte Schülerinnen und Schüler verschiedener Schulen aus Korea Städte wie Berlin und Frankfurt erkundeten, legten sie auch einen Zwischenstopp an unserer Schule ein, die dafür bekannt ist, kulturelle Vielfalt und interkulturelles Lernen zu fördern. Neben einer Führung durch unsere Schule wollte man es dem Besuch ermöglichen, die deutsche Schule hautnah zu erleben. Dazu lud man freiwillige Schülerinnen und Schüler der Albert-Schweitzer-Schule (ASS) ein, eine oder einen der koreanischen Gäste zwei Stunden durch den Schultag mitzunehmen.
Als es dann in der vierten Stunde schließlich so weit war und die koreanischen Jugendlichen abgeholt werden sollten, wurde man erst einmal mit einem Applaus begrüßt – ein etwas unerwarteter, aber sehr wertschätzender Empfang, der Neugier weckte.
Die koreanischen Gäste zeigten sich zunächst sehr zurückhaltend und begleiteten nach einer kurzen Begrüßung und Vorstellung ihre Partnerinnen und Partner schweigend in die jeweiligen Unterrichtsräume. Doch mit der Zeit wirkten sie immer interessierter an unserem Alltag. So stellten sie auf Englisch Fragen zu unseren Mitschriften, den Smartboards und unseren Unterrichtsfächern. Auch der lockere Umgang mit den Lehrkräften fiel ihnen auf, ebenso die Tatsache, dass im Unterricht viel gesprochen und diskutiert wird. Sie erklärten, dass in Korea meistens nur die Lehrerinnen und Lehrer sprächen und die Schülerschaft in der Regel viel ruhiger sei. Während der Pause stauenten sie über die Größe des Schulgebäudes und merkten an, dass hier viele Schülerinnen und Schüler untergebracht seien.
Nach den zwei Stunden bot sich die Gelegenheit, mit dem koreanischen Besuch in der Mensa zu essen, wodurch viele Gespräche zustande kamen. Unter anderem erfuhren wir, dass man sich selbst in Korea internationale Namen gebe, da ihre koreanischen Namen für viele schwer zu merken seien. Umgekehrt gaben sie auch den Schülerinnen und Schülern aus Deutschland koreanische Namen. So wurde mein Name Sofia beispielsweise zu 서현 (Seo-hyeon).
Im Anschluss hielt eine Gruppe von vier Schülern einen Vortrag über das Schulsystem in Korea. Eine weitere Gruppe von Schülerinnen stellte uns mittels einer Präsentation die etablierte K-Pop- sowie Filmkultur des Landes vor. Außerdem führte eine dritte Gruppe einen in Korea populären K-Pop-Tanz auf. Zum Abschluss wurden auf dem Klavier traditionelle koreanische Lieder mit gesanglicher Begleitung vorgespielt, die für Faszination sorgten.
Die koreanischen Schülerinnen und Schüler hatten dieses Programm freiwillig vorbereitet sowie aus Dankbarkeit darüber, dass sie unsere Schule besuchen durften. Dies zeigt nicht nur Respekt und Höflichkeit, sondern spiegelt auch den Fleiß und die Wertschätzung in der koreanischen Kultur wider.
Als Dankeschön brachten sie sogar kleine Geschenke aus Korea für ihre jeweiligen Partnerinnen und Partner mit und bevor sie gingen, erkundigten sie sich nach unseren Profilen in den sozialen Medien, um noch weiterhin mit uns in Kontakt bleiben zu können.
Ich kann aus nächster Nähe berichten, dass dies, obwohl es nur für einen kurzen Zeitraum war, eine sehr einprägsame und lehrreiche Erfahrung war. Sie hat mir eine entfernte Kultur nähergebracht. Ich bin sehr dankbar, diese Menschen kennengelernt zu haben, und hoffe, dass ihnen der Besuch an unserer Schule gefallen hat und sie neue Erfahrungen mit nach Hause nehmen konnten.
