von Madalina Ciobanu; Foto KI-generiert mithilfe von ChatGPT
Jeder Mensch trägt Dinge mit sich. Dinge, die man nie gesagt hat, nie gezeigt hat. Dinge, die man nicht loslässt, aber auch nie versteht. Manchmal liegen sie jahrelang in einer Kiste und warten nur darauf, gefunden zu werden.
Beim Aufräumen fällt seiner Frau ein alter Umschlag in die Hände. Sie bleibt stehen und legt ihn auf den Tisch. Er sieht ihn sofort. Sie muss nichts sagen. Er weiß, was es ist. Er wusste schon lange von diesem Brief. Seit seinem 18. Geburtstag. Er hatte ihn nie geöffnet. Nicht aus Vergesslichkeit, sondern weil er es nicht konnte.
Er nimmt den Umschlag in die Hand. Er fühlt sich schwer an, obwohl er nur aus Papier besteht. All die Jahre hat er versucht, ihn zu ignorieren, doch jetzt liegt er offen vor ihm.
„Vielleicht steht dort eine Antwort“, sagt sie leise.
Er zögert. Dann schüttelt er den Kopf und legt den Brief zurück auf den Tisch. Zwischen ihnen entsteht eine Stille. Jedoch ist diese Stille keine, die beruhigt, sondern eine, die drängt und noch mehrere Fragen stellt.
Der Brief bleibt liegen.
Der Brief des Mannes, der ihm das Leben gegeben hat.
Und mit ihm alles, was nie gesagt wurde.
„Eine Antwort … nach all den Jahren ist es zu spät“, sagt er.
