von Qanta Ahmad; Foto KI-generiert mithilfe von ChatGPT
Einst waren Bücher das Zentrum für Krimis, verrückte Liebesgeschichten oder Fantasy-Abenteuer. Doch dann kamen Laptops, Fernseher und Computer und alle drei bieten verschiedene Streamingdienste wie Netflix und Co. an, weshalb kaum noch jemand zur Lektüre greift. Warum auch? Schließlich werden die meisten Bestseller verfilmt und erreichen dadurch ein breiteres Publikum, was dazu führt, dass die gedruckten Werke immer weiter in den Hintergrund geraten. Doch sollte man tatsächlich Bücher verfilmen oder die Vorstellungskraft einzig und allein den Leserinnen und Lesern überlassen?
Einige Menschen sind der Auffassung, dass Bücher verfilmt werden sollten, da sie nicht gerne lesen und Filme dadurch eine gute Alternative bieten. Zudem nimmt das Lesen eines Romans mehr Zeit in Anspruch, weswegen es für viele nicht möglich ist, ganze Reihen, wie zum Beispiel die Harry Potter-Serie von J.K. Rowling zu lesen, welche sieben Bände umfasst. Damit auch diese eine Chance haben, die abenteuerliche Geschichte von Harry und seinen Freunden zu erleben, bieten Filme auch hier eine wunderbare Lösung.
Außerdem machen Filme einfache Worte viel lebendiger und für mehr Menschen zugänglicher, und das auf mehreren Ebenen: Zum einem haben einige eine eingeschränkte Vorstellungkraft und können sich nicht alles bildlich vorstellen. Zum anderem sind Bücher nicht gerade günstig. Im Durchschnitt kostet ein einziges Exemplar zwischen 10 und 15 Euro, und eine ganze Serie mit vier bis fünf Büchern dementsprechend 60 bis 75 Euro. Für ein einfaches Abo bei Netflix bezahlt man im Jahr rund 60 Euro.
Auf der anderen Seite kann man aber sagen, dass wenn man ein Buch kauft, es dann auch einem gehört. Wenn man zum Beispiel ein Netflix-Abo kündigt, verliert man sofort den Zugriff auf alle Filme, ein physisches Buch hingegen kann man behalten, weitergeben oder immer wieder lesen. Dem Einwand, Literatur sei teuer, lässt sich außerdem entgegnen, dass man sich anstelle einer neuen Ausgabe auch eine gebrauchte kaufen kann, etwa auf Plattformen wie ,,Medimops“ oder ,,Booklooker“. Eine weitere Möglichkeit ist, sich Lesestoff in der Bibliothek auszuleihen, was deutlich günstiger ist. Gleichzeitig ist es völlig in Ordnung, sich hin und wieder einmal eine limitierte Ausgabe zu gönnen. Viele Leserinnen und Leser freuen sich über liebevoll gestaltete Sonderausgaben, zum Beispiel Bände mit einem Rückenpanorama, also einem Bild, das sich über mehrere Buchrücken erstreckt und nur sichtbar wird, wenn Teile einer Reihe nebeneinander im Regal stehen.
Des Weiteren zerstören Filme oft die Vorstellungen der Lesenden. So entspricht der Cast nicht den Beschreibungen in den Büchern oder kleine Details, die den Produzenten unnötig erscheinen, werden geändert, was die Leserschaft extrem stört. Beispielsweise erschien letztes Jahr die erste Staffel der „Maxton Hall“-Trilogie von Mona Kasten, bei der mich vieles empört hat. Zum einem sahen die Schauspieler meiner Meinung nach deutlich älter als „High-School“-Schüler aus und ihr Aussehen passte nicht zu den Beschreibungen in der literarischen Vorlage. Zum anderen wurden Details, wie die Farbe der Schuluniformen, geändert oder einige Szenen im Film einfach hinzugefügt.
Darüber hinaus werden die Texte nicht als Manuskript benutzt und der Film wird gekürzt. Dadurch fehlen Einzelheiten. Auch wenn die Bücher nicht als Film, sondern als Serie umgesetzt werden, werden wichtige Elemente weggelassen. Zum Beispiel wurde ebenfalls letztes Jahr der erste Band der „A Good Girl’s Guide to Murder“-Trilogie verfilmt und eine Figur, die eine zentrale Rolle in der Fortsetzung spielt, komplett aus der ersten Staffel gestrichen. Auch das Ende wurde geändert, was mich persönlich am meisten gestört hat, da es im Buch sehr viel spannender dargestellt worden ist.
Das Schlimmste jedoch ist, dass man in Filmen nicht die Gedanken der Charaktere sehen kann. Gerade diese machen das Lesen so wertvoll. Man ist in der Lage, leichter die Handlungen der Figuren zu verstehen und sich in sie hineinzuversetzen oder noch besser: Man kann sich mit ihnen sogar identifizieren. Diese Gefühle bleiben oft in den Filmen aus und lassen das Ganze oberflächlich wirken.
Wir sehen also, dass es sowie positive als auch negative Aspekte gibt. Einerseits sorgen Filme dafür, dass man Zeit und Geld spart, anderseits zerstören Filme die Fantasien der Leser sowie die Geschichten.
Meiner Meinung nach sollten Bücher nicht verfilmt werden. Filme nehmen der literarischen Vorlage viel von dem, was sie besonders macht, und lassen sie zunehmend in den Hintergrund rücken. Zwar erreichen Verfilmungen ein breiteres Publikum, jedoch gehen sie nicht so sehr in die Tiefe wie die gedruckten Werke. Außerdem liebe ich es, mir alles selbst auszumalen: die Charaktere, die Orte, die Stimmungen. Ein literarischer Text lässt viel Raum für Fantasie, und zwar für alle. Jede Leserin und jeder Leser erlebt die Geschichten und Figuren auf seine eigene Art und Weise. Und selbst wenn noch hundert weitere Titel verfilmt werden, bleibe ich bei meiner Meinung: Das Buch ist immer besser als der Film.
