von Sofia Davidovic; Foto von Christopher Haamel

In der Nacht vom 12. August ereignete sich vermutlich eines der größten Himmelsspektakel dieses Jahres. Nicht nur zog der Mond zwischen Sonne und Erde vorbei und bescherte uns dabei eine spektakuläre, große partielle Sonnenfinsternis, auch erreichte der Sternschnuppenregen dieses Sommers seinen Höhepunkt, weshalb man Hunderte von Sternschnuppen über unseren Nachthimmel flitzen sah.

Dieses Ereignis konnten wir uns als Schule mit naturwissenschaftlichem Schwerpunkt nicht entgehen lassen, weshalb Frau Stach die Initiative ergriff und mit ihrem Mathe-Leistungskurs sowie einigen abenteuerlustigen Freiwilligen beschloss, nach Fulda zu fahren und die Nacht unter freiem Himmel, fernab der Zivilisation, zu verbringen.

So traten wir unsere Exkursion um 15:20 Uhr, voll beladen mit Schlafsäcken und -matten, Decken, Proviant und Wechselklamotten, direkt nach der Schule an. Nach zwei Stunden Fahrt kamen wir mit dem Bus in einer abgelegenen Landschaft an, wo sich vor uns ein weiter, klarer Himmel erstreckte.

Bis zur eigentlichen Sonnenfinsternis überbrückten wir die Zeit damit, Karten zu spielen, und als es dann gegen 19:19 Uhr so weit war, setzten wir alle Sonnenfinsternisbrillen auf und verbrachten die nächsten eineinhalb Stunden damit, in die Sonne zu schauen. Zunächst sah man, wie sich der Mond immer weiter vor die Sonne schob, bis er sie schließlich zu fast 90 % überdeckt hatte und dann wieder vorbeizog. In Teilen Grönlands, Islands und Spaniens überdeckte der Mond die Sonne übrigens vollständig, weshalb man dort von einer totalen Sonnenfinsternis spricht.

Nach der Sonnenfinsternis machten wir es uns gemütlich und ließen die Zeit bis zum Einbruch der Dunkelheit verstreichen. Währenddessen wurde es deutlich kühler und auch der Rasen, auf dem wir lagen, begann feuchter zu werden, weshalb wir uns dicke Klamotten überzogen oder auch schon in unsere Schlafsäcke schlüpften.

Als es gegen 22:00 Uhr dunkel genug war, lagen wir zusammen auf dem Boden und konnten die ersten Sternschnuppen beobachten. Bei diesem Spektakel handelt es sich um die Sternschnuppen der Perseiden, die durch die Staubspur des Kometen 109P/Swift-Tuttle entstehen. Auf seiner Reise um die Sonne alle 133 Jahre hinterlässt der Komet winzige Staub- und Gesteinteilchen. Einmal im Jahr durchquert unsere Erde diese Spur. Rasen diese Teilchen nun mit hoher Geschwindigkeit in unsere Atmosphäre, bringen sie diese zum Leuchten und erscheinen für uns als kurze, helle Streifen am Nachthimmel.

Dieser Anblick löste bei vielen in Kombination mit dem fehlenden Schlaf tief in der Nacht ungewöhnlich emotionale Reaktionen aus. Einige verspürten Dankbarkeit und sprachen darüber, wie facettenreich unsere Welt doch sei und wie wir das Leben wertschätzen sollten. Andere empfanden Demut und wurden überwältigt von der Weite und Magie des Universums. In dieser besonderen Atmosphäre schienen alltägliche Gedanken und Probleme irrelevant. So nutzten viele die Zeit, um tiefgründige Gespräche über das menschliche Dasein zu führen und darüber zu diskutieren, welche Bedeutung wir in dieser Unendlichkeit eigentlich haben.

Die wenigen, die geschlafen hatten, wurden schließlich gegen 05:00 Uhr wieder aufgeweckt, da wir um 05:28 Uhr den ersten Bus zurück zur Schule nehmen mussten.

Dieser einzigartige Ausflug bot uns nicht nur einen wunderschönen Sternenhimmel und eine eindrucksvolle Sonnenfinsternis, sondern auch eine ganze Nacht, abgeschottet vom Alltag, um unseren Gedanken freien Lauf zu lassen, über die Größe des Universums zu staunen und für einen Moment zu vergessen, wie schnell die Welt um uns herum eigentlich geworden war.

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