von Milla Lauten; Foto von Pixabay

„Papa! Wo ist mein Ladekabel?“, rief Frieda verzweifelt. Sie saß in einem Berg von Kartons. Frieda war ein aufgewecktes Mädchen mit knallorangenen Haaren, sie hatte smaragdgrüne Augen und in ihrem Gesicht hatte sie viele Sommersprossen.

Sie und ihr Vater waren vor zwei Tagen nach Rosenberg gezogen, denn nach dem Tod von Friedas Mutter mussten sie in eine kleinere Wohnung ziehen, da ihr Vater mit seinem Job nicht viel verdiente. Er war Koch, doch konnte er nicht einmal eine stinknormale Tomatensoße kochen. Er bekam nichts gebacken, sozusagen.

„Schau in dem Karton mit der Elektronik nach!“, antwortete ihr Vater. Frieda holte das Ladekabel aus dem Karton und legte sich hin. Sie hatte noch kein Bett, weshalb sie auf einer Matratze liegen musste. „Ohne Harald ist es langweilig“, dachte sich Frieda. Harald war ihr Haushuhn, welches sie im Tierheim abgeben mussten, da sie in der neuen Wohnung keinen Platz hatten.

Ihr Vater lugte in ihr Zimmer: „Na, Lust mit mir Abendessen zu kochen?“, fragte er.

Frieda stand auf und sagte: „Na gut, aber wir kochen nach Rezept!“

Nach dem Essen legte sich Frieda auf ihre Matratze. Sie roch ein wenig moderig, fand sie.

In dieser Nacht hatte sie einen seltsamen Albtraum. Sie sah ihre verstorbene Mutter, und sie sagte etwas, aber Frieda konnte es nicht verstehen. Mitten in der Nacht wachte sie mit Gänsehaut auf. Der Traum beschäftigte sie so stark, dass sie kein Auge mehr zumachen konnte.

Am nächsten Morgen weckte sie ihr Vater, er hatte Pancakes gebacken. Da sie Ferien hatte, musste sie nicht in die Schule.

Frieda entschloss sich, nichts von ihrem Traum zu erzählen.

In den nächsten Nächten hatte sie diesen Traum immer wieder.

Ein wenig konnte sie jetzt auch entziffern, was ihre Mutter versuchte, ihr zu sagen.

Doch auch nur Bruchteile. Sie sagte immerzu: „Weit entfernt von hier, Zauberwald oder Schatz … und ihr müsst gehen.“

Langsam bekam sie Angst und entschied sich um. Sie wollte ihrem Vater davon erzählen.

„Papa? Wo bist du?“ „Hiiieerr“, rief ihr Vater. Während sie ihrem Vater von den Träumen erzählte, wurden seine Augen immer größer. „Du auch?“, fragte er entsetzt.

„Wie meinst du das? Hast du diese Träume etwa auch?“ – „Ja! Es muss etwas bedeuten. Konntest du verstehen, was Mama sagte?“ Frieda erzählte ihm alles, was sie bisher verstand.

„Ich hab eine Idee“, gluckste ihr Vater. Sie gingen in den Keller. Er kramte ein Fetzen Papier aus einem Umzugskarton. „Ich hab mich schon immer gefragt, wofür die ist“, sagte er.

Er hielt eine Karte in der Hand. Es sah aus, wie eine Schatzkarte. Es waren Wege eingezeichnet, in einem Wald. „Denkst du etwa, das ist der …?“ – „Genau das denke ich!“

Nach kurzem Überlegen waren sie sich einig. Sie würden sich aufmachen, um den Schatz zu finden. Sie packten die nötigsten Sachen und machten sich auf den Weg.

Leider war die Karte nur schwer zu verstehen, weswegen sie sich oft verfuhren, aber nach langem Suchen kamen sie an einen kleinen Waldrand. Sie stiegen aus dem Auto aus, um den Wald zu betreten. Von außen sah es wie ein normaler Wald aus. Als sie einen Schritt in den Wald setzen wollten, passierte etwas Seltsames. Sie wurden wie durch ein Portal in den Wald gezogen. Um sie herum war nur noch Wald, weit und breit keine Straßen und Autos. „Papa? Wo sind wir und wie kommen wir hier wieder raus?“, fragte Frieda leicht verängstigt. „Ich habe keinen Schimmer, aber wir werden nicht aufgeben!“, sagte ihr Vater entschlossen. Zack! Plötzlich umklammerte eine Baumwurzel Friedas Bein und zog sie zu Boden. „Hilfe!“, rief sie und schnappte die Hand ihres Vaters. Die Schatzkarte fiel auf den Boden. Auf der Rückseite stand etwas, was sie zuvor noch nicht gesehen hatten. In kleinen Buchstaben stand geschrieben: Hast du Angst im düstren Wald, so geschieht die magische Zaubergewalt. „Frieda, du musst dich beruhigen! Der Wald spürt deine Angst und nutzt sie aus!“ Frieda versuchte sich etwas Schönes vorzustellen und beruhigte sich.

Die Schlingen ließen nach und sie war wieder frei. Man durfte also keine Angst haben.

Nach diesem Schreck mussten sie sich erstmal beruhigen und setzen sich auf einen Baumstamm.

„Wie sollen wir in diesem riesigen Wald nur den Schatz finden? Wir wissen ja nicht mal, wo wir sind.“ – „Ich denke schon“, sagte ihr Papa stolz und zeigte auf einen kleinen See auf der Karte.

Frieda schaute nach rechts, und tatsächlich! Dort war ein kleiner See mit quakenden Fröschen.

Mit neuer Energie liefen sie weiter. Immer der Karte nach liefen sie durch den Wald.

Plötzlich tropften dicke Tropfen auf Frieda und dann fing es an, wie aus Eimern zu schütten.

So schnell sie konnten, rannten sie in eine Höhle. Die Höhle war klein, aber der Platz reichte gerade so für zwei Personen. Sie mussten über Nacht bleiben, da es nicht aufhören wollte zu regnen.

Sie legten sich auf ihre Jacken und machten ein Feuer. Am nächsten Morgen wurden sie von den Sonnenstrahlen aufgeweckt. Es regnete nicht mehr, und sie konnten ihre Suche weiterführen.

„Also, wir sind jetzt hier“, ihr Papa zeigte auf die Karte, „und wir müssen nach da.“

„Das ist ja gar nicht mehr so weit!“, freute sich Frieda.

„Schon, aber vorher müssen wir erst mal Essen finden, sonst falle ich noch tot um!“, quengelte er. Nach kurzem Suchen fanden sie ein Gebüsch mit roten Beeren. „Denkst du, die können wir essen?“, fragte Frieda.

„Ich weiß nicht“, sagte ihr Vater. Huch! Ein Eichhörnchen flitzte an ihnen vorbei und schnappte sich eine Beere. „Also, wenn die Eichhörnchen das essen können, dann können wir das auch.“

Sie pflückten sich einen ganzen Korb voll und auch ein paar Pilze. Zum Frühstück aßen sie die Beeren. Nun konnte es weitergehen. Sie waren schon eine weite Strecke gelaufen. Auf einmal stolperte Friedas Vater über einen Stein und fiel auf einen Pilz, welcher nicht ganz ungefährlich war. Eine Wolke rosa Rauch schwebte über ihnen. Unvermittelt fingen beide ziemlich an zu lachen. Sie liefen weiter und erzählten sich Witze und lachten sich kaputt. „Wie nennt man einen Pilz, der springen kann? Natürlich Jumpignon!“ Beide lachten laut los. Sie schwankten durch den Wald und legten sich unter den blauen Himmel auf den Waldboden. Nach einiger Zeit kamen sie wieder zu Sinnen und wurden von einem Rudel Wölfe geweckt. Diese hatten die zwei schon bemerkt und schauten hungrig. „Ähm, Papa?!“, sagte Frieda. „Okay Frieda, wir müssen uns jetzt ganz langsam wegschleichen, bloß keine ruckartigen Bewegungen!“ Langsam krochen sie davon.

„Zum Glück haben wir es da heil raus geschafft, sonst wären wir noch Hackfleisch gewesen.“

Nach einer weiteren Nacht in einer Höhle brachen sie früh am Morgen auf und kamen schon am Vormittag an einem Wasserfall an. „Schau mal, Papa, hier ist das Kreuz. Ist hier etwa der Schatz?“ – „Also ich sehe hier keinen“, erwiderte ihr Papa. „Na, das ist doch klar. wir müssen durch den Wasserfall!“ – „Na dann mal los!“ Einen Regenschirm hatten sie jedoch nicht eingepackt. Deshalb mussten sie so schnell wie möglich hinter den Wasserfall kommen. Sie nahmen viel Anlauf und rannten durch das vorhangartige Wasser. Hinter dem Wasserfall war eine wunderschöne Höhle.

Leicht triefend holte Frieda eine Taschenlampe aus ihrem Rucksack. „Lass uns den Schatz finden.“ Frieda war ganz aufgeregt vor Freude und machte sich auf die Suche. Hinter einem Stein versteckt sah sie etwas. Sie rief ihren Vater. Dieser kam schnell angerannt und sie zogen eine große Kiste hervor. Das war sie! Es war eine braune Kiste mit schönen goldenen Gravierungen. Mit einem Ruck öffneten sie die geheimnisvolle Kiste und schauten hinein. Alles voller Gold! Doch mitten in den vielen Münzen und Ketten lag ein Briefumschlag. Sie öffneten den Brief und lasen ihn:

„Ich wusste, ihr würdet diesen Schatz finden. Diese Sachen habe ich vor Friedas Geburt versteckt, falls es mal schwer wird. Es sind Ersparnisse und Erbstücke. Dieses Amulett ist für dich, Frieda. In Liebe, Mama. Ich bleibe immer in euren Herzen.“

 Auch das Amulett war in der Kiste, Frieda legte es sich um den Hals und war außer sich vor Glück. „Papa, wir können uns jetzt alles kaufen und wir können Harald wieder zurückholen! Wir haben es geschafft, wir zwei, wir sind das perfekte Team!“

Nach einem Freudentanz umarmte sie ihren Vater fest und sie nahmen zu zweit die Kiste mit. Sie liefen den ganzen Weg wieder zurück. Dieses Mal passierte ihnen kein Unglück, da sie sich nun schon auskannten. Sie waren nun wieder in der Stelle zurück, wo sie anfangs waren. „Und wie kommen wir wieder zu unserem Auto, Papa?“ – „Ich weiß es nicht. Ich wünschte, wir würden einfach zu Hause sein, um uns auszuruhen.“ Zack! Schon wieder passierte es, die beiden wurden teleportiert, doch diesmal nicht in ihr Auto, sondern direkt in ihr Wohnzimmer!

Sie und ihr Papa machten erst mal ein paar Tage Pause nach dieser Aufregung, danach kümmerten sie sich um den Rest. Sie kauften sich ein wunderschönes Haus mit einem prächtig großen Garten. Frieda bettelte ihren Vater an, nachzufragen, ob Harald noch da war. Er rief beim Tierheim an und tatsächlich! Harald war noch da. Die Tierpfleger erzählten, dass er ein schlaues Huhn sei, denn immer, wenn Interessenten kamen, kackte er auf die Schuhe der Leute, was diese erheblich abschreckte. Niemand wollte ihn adoptieren.

Schon am Abend fuhren sie zum Tierheim und holten ihn ab. Frieda erzählte ihm von dem Abenteuer und er schien recht interessiert. Mit dem Schatz musste ihr Papa nun nicht mehr arbeiten und sie hatten viel mehr Zeit als Familie. Trotzdem belegte er einen Kochkurs für Anfänger mit Frieda und sie lernten, wie man Spaghetti Bolognese kochte und Brownies backte.

In Erinnerung hatten sie ein wundervolles Abenteuer und nach dieser Aktion hielten Vater und Tochter noch mehr zusammen als je zuvor.

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