von Mariam Lahjaiji; Foto von Pixabay
Schon in der Mittelstufe verbringt die Schülerschaft im Schnitt zwischen 28 und 32 Stunden pro Woche in der Schule. Ab der Oberstufe steigen die Stunden deutlich. 34 bis 40 Stunden sind keine Seltenheit, sondern Alltag der meisten älteren Schülerinnen und Schüler. Wie viel Schule können diese aber wirklich aushalten?
Vor allem die zwei Leistungskurse, die jeder in der Oberstufe belegen muss, nehmen viel Zeit in Anspruch. Ein einzelner Leistungskurs besteht bereits aus fünf Stunden, sodass beide Kurse zusammen schon zwischen 25% und 29% aller Schulstunden einnehmen.
Viele Schülerinnen und Schüler beschweren sich auch über die Stundenverteilung in der Oberstufe. Während viele arbeitende Menschen um 18 Uhr schon zu Hause sind, sitzen Lernende teilweise noch bis 19 Uhr in der Schule. Hinzu kommen die vielen Freistunden dazwischen, die auf dem ersten Blick wie eine Pause aussehen. Allerdings sind diese Stunden für die Jugendlichen sehr unproduktiv. Denn zum einen ist es anstrengend, Freizeit, Hobbys und Hausaufgaben in diese Stunden zu legen. Zum anderen fehlt vielen nach den Freistunden die Motivation, wieder zurück in die Schule zu gehen, sodass einige dazu verleitet werden, Stunden selbstständig ausfallen zu lassen. Dies bestätigt auch eine Mitschülerin aus der 13. Klasse: „Es ist kontraproduktiv, da man in den Freistunden nichts einplanen kann. Es gibt Tage, an denen man öfter zur Schule kommt und wieder geht. Das führt dazu, dass man nichts mehr vom Tag hat.“ Auch Klausuren werden von Jahr zu Jahr mehr, was für Schülerinnen und Schüler in Kombination mit den vermehrten Stunden zu stressig wird.
Zum Vergleich: Finnland geht die ganze Problematik ganz anders an. Es ist nicht ohne Grund laut vielen Experten eines der besten Schulsysteme der Welt. Die Kinder und Jugendlichen gehen neun Jahre gemeinsam auf eine Einheitsschule. Danach kann man sich entweder für das Abitur oder für eine Ausbildung entscheiden. Die Oberstufe geht ebenfalls im Schnitt drei Jahre, allerdings mit viel weniger Stress für die Schülerschaft. Die Oberstufenschülerinnen und -schüler haben im Schnitt zwischen 20 und 35 Wochenstunden, wobei sie sich ihre Kurse individuell aussuchen könne und die Stunden deshalb bei jeder Person unterschiedlich sind. Allerdings sind Schultage in Finnland nicht so lang wie in Deutschland. Die späteste Uhrzeit, zu der Schülerinnen und Schüler noch Schule haben, ist 16 Uhr, in seltenen Fällen 17 Uhr. In Deutschland hingegen sitzen einige dagegen manchmal noch bis 19 Uhr in der Schule. Hinzu kommt, dass die Lernenden im Vergleich viel weniger Hausaufgaben bekommen und die Lehrkräfte sich eher auf die Qualität als auf die Quantität konzentrieren.
Ich persönlich empfinde die Oberstufe in Deutschland in manchen Punkten als problematisch. Die langen Schultage und langen Freistunden dazwischen wirken eher kontraproduktiv, da sie Lernende eher demotivieren, wieder zurück in die Schule zu gehen. Einige Schulsysteme zeigen auch, dass weniger Unterricht nicht weniger Bildung bedeutet und dass es mehr auf die Art und Weise des Unterrichts ankommt und nicht auf die Quantität.
